Episode 103: Mensch & Tier

Leute, die sich nie mit der Philosophie des Naturrechts befasst haben, verwechseln es oft mit anderen Konzepten, die erstens nichts damit zu tun haben und zweitens haltlos und unmoralisch sind. Weil sie das Naturrecht nicht kennen, haben sie ein gestörtes Verhältnis zur Natur, und weil sie ein gestörtes Verhältnis zur Natur haben, möchten sie nichts von den natürlichen Rechten hören. Heute schauen wir uns an, wie man mithilfe des Naturrechts sein Verhältnis zu Tieren auf moralisch richtige Fundamente stellt.

Worüber ich heute spreche, beträfe etwa 85% der Bevölkerung, und vielleicht einen etwas kleineren Teil meiner Zuhörer, da sich einige mehr der moralischen Implikationen ihres Handelns bewusst sind. Ich weiß, dass ich hiermit vermintes Territorium betrete, denn es betrifft einen Lebensbereich, aus dem die meisten Menschen Wohlgefühl und Zufriedenheit beziehen. Ich möchte aufgrund der immer wieder erörterten universellen Prinzipien naturrechtliche Erwägungen zum Umgang mit Tieren vorbringen. Es wird dir möglicherweise schwer fallen, die Sache neutral zu betrachten, und doch ist es aus moralischen Gründen absolut notwendig, dass du dein eigenes Verhalten daraufhin abklopfst, ob du richtig handelst. Bleib trotz eventueller Emotionen gelassen. Ich werde in dieser Sendung niemand beschuldigen, verdammen oder zur Verhaltensänderung zu nötigen versuchen. Du allein entscheidest, wie du nach gebührender Prüfung meines Vortrags mit den gelieferten Hinweisen umgehen willst.

Es gibt selbstverständlich viele andere Gründe, Status und Rolle der Tiere in unserem Weltbild neu zu bewerten. Ich beschränke mich hier jedoch auf den naturrechtlichen Standpunkt, da der Bezug auf seine Prinzipien jede weitere Diskussion unnötig macht.

Das Naturrecht ist nicht das Gesetz des Dschungels, mit dem man ein gesetzloses „Fressen und Gefressenwerden“ meint – Faustrecht.

Naturrecht hat auch nichts mit der Darwinschen Vorstellung von der Evolution der Arten zu tun und nach welchen Gesetzmäßigkeiten diese überleben.

Und es sollte ebensowenig mit Tierschutz und Tierrechten verwechselt werden, die manche im positiven Recht zu verankern versuchen.

Das Naturrecht ist die Gesamtheit der universellen, nicht vom Menschen geschaffenen, verbindlichen und unabänderlichen Gesetze, die als regelnde Dynamik die Folgen des Verhaltens von Wesen bestimmen, die in der Lage sind, zwischen richtig und falsch zu unterscheiden. – Mark Passio

Wenn, wie wir annehmen, Tiere diese Unterscheidung nicht treffen können, sind sie vom Naturrecht, wie es für Menschen gilt, entbunden, dh die Folgen ihres Handelns werden durch andere Dynamiken geregelt, die Daniel Quinn das „Gesetz des Lebens“ nennt. Aus dem Naturrecht erwachsen ihnen jedoch natürliche Rechte gegenüber dem Menschen, denn jene, die Richtig und Falsch unterscheiden können, sind nur zu solchen Handlungen berechtigt, die anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiieren. Und solche fühlenden Wesen sind alle mit einem Nervensystem ausgestatteten Tiere ganz eindeutig.

Menschen dürfen Tieren also keinen Schaden zufügen. Grundsätzlich. Verbindlich. Uneingeschränkt, außer durch die normale Notwehr. Schaden wird auf dieselbe Weise definiert, wie beim Menschen, dh durch die Wegnahme dessen, was einem anderen rechtmäßig gehört – Wahrheit, Bewegungsfreiheit, Sicherheit, Besitz, körperliche Selbstbestimmung, Gesundheit, Leben. Mit anderen Worten muss man ein fühlendes Wesen in Ruhe lassen, insbesondere dann, wenn es den Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden, durch Worte oder Verhalten zum Ausdruck gebracht hat.

Wer mir bis hierhin aufmerksam gefolgt ist, wird wahrscheinlich von allein erkennen, dass die universellen Prinzipien der Moralität Anforderungen unter anderem an seine Ernährung stellen. Denn sofern zwischen dem nahrunggebenden Tier und dem Menschen keine persönliche Freundschaft besteht, bei der das Tier freiwillig etwas abgibt, beruht eine Diät, die Eier, Milch, Fleisch und deren Produkte enthält, unweigerlich auf Gewalt in Form von Freiheitsberaubung, Versklavung, Vergewaltigung, Raub und Mord, selbst unter optimalen Haltungsbedingungen. Wir alle wissen, dass der Zwang zur Wirtschaftlichkeit zahlreiche weitere Härten für die betroffenen Wesen mit sich bringt, über die ich an dieser Stelle nicht sprechen will. Ich konzentriere mich auf den Aspekt des Tötens, weil er die universellen Prinzipien am offensichtlichsten verdeutlicht.

Ursache und Wirkung

Wer den natürlichen Prinzipien entsprechend lebt, schaut nicht auf Meinungen oder Vorlieben, sondern folgt diszipliniert den logischen Schlüssen aus der erkannten Wahrheit. Wer vom Pfad der Tugend abweicht, verursacht unausweichlich negative Konsequenzen. Ein trockener Alkoholiker, der das prinzipielle Promilleverbot bricht, erleidet einen Rückfall und tut sich sehr schwer, wieder trocken zu werden. Das Phänomen ist als Abstinenzverletzungseffekt (AVE) in die medizinische Literatur eingegangen. Wer Prinzipien nicht ernst genug nimmt, um sich an sie zu halten, erlebt etwas ähnliches: Er wird sich schwer tun, auf den rechten Weg zurückzufinden. Und so häuft sich Sünde auf Sünde, Schuld auf Schuld, während der angerichtete Schaden größer und größer wird. Seine Ausmaße sind unvorstellbar:

Jeden einzelnen Tag werden weltweit geschätzt ~250.000 Reptilien, ~1 Million Amphibien, ~7 Millionen Säugetiere, ~190 Millionen Vögel und ~270–500 Millionen Fische für den menschlichen Verzehr getötet. Eine halbe bis dreiviertel Milliarde Individuen pro Tag. Hinzu kommen mehrere Millionen weitere Tötungen von Tieren, die aus wirtschaftlichen Gründen nicht genutzt, sondern einfach vernichtet werden, z.B. Junghähne, Jungbullen, kranke Tiere und Beifang, sowie haltungsbedingte Sterbefälle. Im Jahr summiert sich das auf 2,5 Milliarden Säugetiere, 70 Milliarden Vögel und jeweils hunderte von Milliarden der anderen Gattungen. Die Zahlen können je nach Quelle schwanken, aber sie sind sich in einem einig: Die Menge der getöteten Lebewesen ist unvorstellbar groß.

Anschaulicher wird es, wenn man den individuellen Verlust an Lebenszeit bemisst. Ein Hahn kann 8-10 Jahre leben, wird aber entweder sofort nach dem Schlüpfen oder nach zwei Monaten getötet. Ein Legehuhn fällt nach eineinhalb Jahren wegen sinkender Produktion unter die Grenze der Wirtschaftlichkeit und wird dann gekeult. Ein Schwein wird bis zu 15 Jahre alt, aber bereits nach 6-12 Monaten geschlachtet; die Zuchttiere werden nach ca 4 Jahren „entsorgt“. Ein Rind kann 20 Jahre alt werden, kann aber je nach Geschlecht und Betriebsstrategie ab der ersten Woche zur Schlachtung gegeben werden. Unter Drittweltbedingungen werden Milchkühe nach 10-12 Jahren aussortiert, unter industriellen Bedingungen bereits nach 5 Jahren. Falls es nicht vor seiner Tötung eingeht, erhält kein einziges Tier, das für den menschlichen Nutzen gezüchtet wird, die Gelegenheit, das Leben bis zu seinem natürlichen Ende zu bewahren, geschweige denn zu genießen. Die Verkürzung der Lebenszeit ist in allen Fällen signifikant.

Und noch anschaulicher wird das Unrecht, wenn man persönlich sehen kann, welche qualitativen Einbußen das Leben und Sterben in Gefangenschaft für das einzelne Tier bedeutet. Dies entzieht sich jeder Beschreibung. Tiere haben eine reiche Wahrnehmungs- und Gefühlswelt, die über das menschliche Maß hinausgeht. Sie pflegen komplexe soziale Bindungen, sind fähig zur Nächstenliebe, und zeigen reichhaltige Fähigkeiten, Herausforderungen intelligent zu lösen. Wer sich auf die Nähe zu ihnen einlässt, versteht intuitiv, weshalb sie vor Übergriffen geschützt werden müssen. Wenn du möchtest, kannst du nach dem Abspann zu dieser Sendung entsprechendes Anschauungsmaterial sehen.

Wir wollen uns für den Kern der Sendung jedoch rein auf die verstandesgemäßen Gründe stützen, weshalb Tiere natürliche Rechte besitzen, und zwar unabstreitbar. Die artgemäße Ernährung des Menschen ist daher eine moralische Frage, die objektiv beantwortet werden kann. Sie hängt weder von sentimentaler Zuneigung zu Tieren noch von geschmacklichen Vorlieben ab.

Objektive Moralität hat weitreichende Implikationen für unser Verhältnis zu Tieren, denn rechter bzw. unrechter Umgang mit ihnen führt zu karmischen Konsequenzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir die unmittelbare Rechteverletzung an Viehhalter und Schlachter delegieren, denn nur für den Konsumenten von Tierprodukten werden die Rechte der Tiere verletzt. Der Leib des Tiers ist Eigentum seines eigenen Willens, nicht unserer. Indem wir die Früchte seiner Arbeit nutzen oder sein Fleisch essen sind wir schuld an seinem Leid und werden die Folgen dafür tragen, sowohl individuell wie auch als Gesellschaft und als Menschheit insgesamt.

Der Zustand der Welt ist ein Spiegel unserer kollektiven Moralität. Eine Gesellschaft, die massenhaft Tieren die Freiheit entzieht, sie zur Arbeit zwingt, ihnen die Früchte ihrer Arbeit und ihres Leibes nimmt, sie quält und tötet, ist eine Gesellschaft, in der es allen Mitgliedern an Freiheit, Frieden, Brüderlichkeit und Gerechtigkeit mangelt. Was wir Tieren antun, sind wir nur zu bereit, unseren eigenen Artgenossen ebenfalls anzutun. Wer die Nachrichten liest, weiß bescheid.

Unser individuelles Lebensgefühl ist ein Spiegel unserer persönlichen Moralität. Wer den Willen anderer fühlender Wesen zu brechen versucht, dessen Leben ist ein einziger Kampf. Wer die Rechte anderer mit Füßen tritt, muss seine Empathie, sein Gewissen und auch seinen Verstand dämpfen oder abtöten. Er verroht sittlich, ist dann nicht mehr wahrlich zu lieben in der Lage, verleugnet die Wahrheit, muss rigide Kontrolle über Meinungen und Verhaltensweisen ausüben, die er mit physischer und psychischer Gewalt durchsetzt, und tötet so Stück für Stück die eigene Lebendigkeit ab, genau wie die seiner Opfer.

Die Geisteshaltung, mit der Metzger Tiere im Schlachthof töten, ist dieselbe Geisteshaltung, mit der Soldaten Menschen auf dem Schlachtfeld metzeln. Sie schalten ihr Gewissen ab und setzen an seine Stelle zahlreiche Recht-Fertigungen für ihr unmoralisches Verhalten. Nicht anders steht es um dem Fleischkonsumenten, der mit dem in Unschuld gewaschenen Finger auf den Metzger und den Soldaten zeigt. Er scheut sich vor dem Töten, und doch sieht er es als sein Recht, das Fleisch der Getöteten zu konsumieren.

Unbegründete Behauptungen

Es steht uns nicht zu, Rechte zu erfinden, die wir nicht haben. Wir müssen unsere Handlungen begründen können, dh wir müssen von einer Grundlage ausgehen, die in der Wirklichkeit verankert ist.

Können die gängigen Argumente für Tierhaltung und -konsum das leisten? Gehen wir sie durch:

  • Töten ist natürlich / Tiere fressen sich ebenfalls gegenseitig
    • Die meisten Arten sind biologisch auf ihre Nahrung festgelegt und haben darüber keine Entscheidungsfreiheit, im Gegensatz zu uns. Daher ist das Verhalten der Tiere kein Maßstab für das Verhalten des Menschen.
    • Mit ganz wenigen Ausnahmen beschränkt sich die Schädigung, die Tiere anrichten, auf das Allernötigste, um das eigene Überleben sicherzustellen. Tiere führen keine Vernichtungsfeldzüge. Alles, was im Tierreich geschieht, steht in einer harmonischen Balance und trägt zur langfristigen Bewahrung des natürlichen Gleichgewichts bei, im Gegensatz zum zivilisierten Menschen, der keine natürlichen Grenzen anerkennt.
    • Wir sehen bei den wenigsten Tierarten eine so ausgeprägte moralische Erkenntnisfähigkeit wie bei uns selbst. Wir wissen aber durchaus von Individuen, die empathisch handeln können.
    • Wie man bei kleinen Kindern beobachten kann, ist Menschen das Töten oder Quälen von Tieren natürlicherweise zuwider. Kinder zeigen schwere Stresssymptome, wenn sie Tierleid erleben. Sie bevorzugen das lebendige Tier der Mahlzeit, die man aus ihm machen kann. Töten ist für Menschen also nicht natürlich, sondern muss ihnen erst anerzogen werden, weil das empathische Gewissen es verbietet.
  • Wir sind Tieren geistig überlegen
    • Dass sie keine Kunst oder Mathematik betreiben, heißt nicht, dass sie uns geistig generell unterlegen sind. Ein Haus- oder Nutztier, das wir in einer fremden Umgebung aussetzen, findet sich in der Regel schnell zurecht und kann problemlos überleben – im Gegensatz zu uns.
    • Die meisten Tierarten haben Eigenschaften und Fähigkeiten, die unseren bei weitem überlegen sind: sie sind mit besseren Sinnen ausgestattet, schneller, stärker, wendiger oder größer und können fliegen oder tauchen oder Dinge wahrnehmen, die wir nicht bemerken.
    • Tiere können fühlen. Sie empfinden Zuneigung und Liebe zu bestimmten Individuen in ihrem Leben. Sie haben Angst vor akut lebensbedrohlichen Situationen. Sie leiden ganz offensichtlich, wenn sie verletzt werden, ihr Nachwuchs stirbt oder verschwindet, sie in Gefangenschaft geraten, hungern usw. Die meisten Säugetiere können weinen, genau wie Menschen. Selbst Hühnern kann man anmerken, dass sie traumatisiert sind, wenn sie dem Tod knapp entronnen oder gequält worden sind. Das Naturrecht gesteht allen fühlenden Wesen das Recht zu, in Ruhe gelassen zu werden, und berechtigt sie zur Notwehr, wenn dies nicht respektiert wird. Viele Tiere machen definitiv Gebrauch davon, wenn ihnen Schaden zugefügt wird oder man versucht, ihren Willen zu brechen, und oft schon, wenn dies nur zu vermuten steht (Bärin, Ameisen).
    • Das Argument, wir seien Tieren geistig überlegen, ist nicht nur sehr selektiv, da wir ihnen in allen anderen Fähigkeiten unterlegen sind; es bestätigt auch unsere Verpflichtung, dieser Überlegenheit gerecht zu werden, indem wir die Rechte der Tiere kennen und respektieren.
  • Wir sind die Spitze der Nahrungspyramide
    • Die Nahrungspyramide ist eine Illusion. Auch der Mensch wird gegessen, und zwar heute hauptsächlich von der „Basis“ der angeblichen Pyramide, den Einzellern. Aber auch Makrofauna hat Interesse an uns, wenn wir sie uns nicht vom Hals halten können: Krokodile, Hyänen, Riesenschlangen, sowie Parasiten und alle möglichen Aasfresser.
  • Wenn man sie speziell züchtet, sie auf humane Weise tötet bzw. sie ein gutes Leben hatten, ist es ok
    • Tiere haben einen Willen, z.B. den Willen, zu leben, frei zu sein, es sich gutgehen zu lassen, nicht zu leiden…, und dieser Wille ist ihr individueller Wille. Sie sind ganz offensichtlich keine biologischen Automaten, wie Descartes fälschlich behauptete. Für die Tiere ist es also ganz und gar nicht ok.
    • Andernfalls wäre es auch ok, Menschen speziell zum Schlachten oder als Arbeitstiere zu halten. Tatsächlich ist das die Vorstellung der Kontrolleure uns gegenüber und führt zu der Auffassung, die Reduktion von Schmerz mache das Verbrechen der Tötung eines lebenswilligen Wesens rechtens.
  • Mir doch egal / Mein Genuss ist mir wichtiger
    • Relative Moral geht nach hinten los. Wer die Rechte der Tiere nicht achtet, hat auch selbst kein Recht, unangetastet zu bleiben.
    • Wer die Rechte der Tiere nicht achtet, dem fehlt die geistige Grundlage zur Bewahrung der Menschenrechte, dh er wird auch diese verletzen. Das erklärt, weshalb wir derart schlechte gesellschaftliche Verhältnisse haben, mit Massenleiden und -sterben. Das „Argument“ ist schon an der Oberfläche ein asoziales, satanisches, egoistisches Scheinargument, das keine Erklärung liefert, weshalb der Wille eines anderen Wesens gebrochen werden dürfte.
  • Proteine! / Tierprodukte sind notwendig für unsere Ernährung
    • Der menschliche Verdauungstrakt, von den Zähnen über den Magen bis zum Enddarm ist auf pflanzliche Nahrung ausgelegt.
    • Alle Tierprodukte können durch pflanzliche ersetzt werden.
    • Wenn man Leid vermeiden kann, ohne Nachteil für sich selbst, dann ist das ethisch geboten. Der Verzicht auf Tierprodukte ist möglich und daher ethisch geboten. Es ist also nicht zu rechtfertigen, dass andere fühlende Wesen leiden und sterben, damit wir leben.
  • Kein Unterschied zwischen Tieren und Pflanzen / Pflanzen sind auch intelligent
    • Rechte sind nicht an Intelligenz gekoppelt, sondern an die Fähigkeit zu Leiden. Es gibt im Gegensatz zu Tieren keinen Hinweis darauf, dass Pflanzen Schmerzen empfinden.
    • Pflanzen sind darauf ausgelegt, ja sogar darauf angewiesen, an- oder aufgefressen zu werden. Sie haben Pollen, Früchte oder Säfte, die Tiere anziehen, welche durch ihre Nahrungsaufnahme der Pflanze bei der Vermehrung helfen. Gräser wachsen besser, wenn sie regelmäßig gekürzt werden. Abgefressene Teile wachsen nach. Abgeschnittene Teile können zur Vermehrung benutzt werden. Das ist Tieren nicht möglich.
    • Pflanzen wachsen als Teil eines größeren Geflechts, existieren also nicht als Individuen und sind nicht im eigentlichen Sinn als Individuen sterblich. Erst wenn wir eine Pflanzenspezies in einer Gegend unwiederbringlich ausrotten, begehen wir einen Mord mit karmischen Konsequenzen.

Schauen wir uns die Argumente an, die das Halten und Töten von Tieren stützen sollen, finden wir statt Gründen nur relative Moral: Gestattet ist, was mir nützt. Jeder Vorwand ist recht, solange ich bekomme, was ich will; der Wille der Betroffenen ist mir dabei völlig egal. Mit der Behauptung, es sei normal, natürlich und notwendig, rechtfertigt man die Ausbeutung der Tiere, genau wie man mit derselben Behauptung einst auch Sklaverei gerechtfertigt hat oder die Unterdrückung der Frau. Sie entbehrt in allen drei Fällen der Grundlage. Die Behandlung aber, die wir anderen zumuten, fällt auf uns selbst zurück. Indem wir es für vertretbar halten, jene zu versklaven, die wir für geringer als uns selbst halten, liefern wir jenen, die sich uns überlegen fühlen, die Rechtfertigung, uns zu verknechten. Das Verleugnen der Rechte anderer führt zur Negierung der eigenen Rechte. Das Maß der Gewalt, das wir tolerieren, ist das Maß der Gewalt, die wir erhalten.

Prinzipien der Ernährung

Vielleicht haben die Vernunftgründe, die ich dem Vorwand entgegensetzte, ein Umdenken angeregt und du verstehst so langsam, warum es ist nicht normal, natürlich und notwendig ist, Tiere zu essen. Doch eigentlich sollte es unnötig sein, all diese Argumente vorbringen zu müssen, um jemand auf das Unrecht aufmerksam zu machen, das der Konsum von Tierprodukten mit sich bringt. Wo bleibt das Mitgefühl? Es springt nicht an, weil wir die Betroffenen nicht sehen. Leider sind wir durch berufliche Spezialisierung, Massenproduktion und Lieferketten so gründlich vom Leid dieser fühlenden Wesen isoliert, dass es leicht ist, dieses zu vergessen, abzutun oder zu rechtfertigen.

Doch in der Welt ist nichts und niemand wirklich separat vom anderen. Die Illusion der Getrenntheit führt auf direktem Weg ins Unrecht. Das Weltbild der Separation kann nur korrigiert werden, indem man der Wirklichkeit des Einsseins ins Auge schaut. Denken, Fühlen und Handeln sollten in Harmonie mit einander sowie mit den Naturgesetzen gebracht werden. Falls du Fleisch isst oder für einen mit Tierprodukten befassten Betrieb tätig bist, solltest du unbedingt den Film Earthlings ansehen, und zwar die ganzen anderthalb Stunden, um dein Gewissen zu aktivieren. Als mit einer Seele ausgestatteter Mensch sollte es dir möglich sein, Mitgefühl für die tragischen Hauptdarsteller dieser Dokumentation zu empfinden. Sieh dich selbst in ihnen. Auch sie haben Gefühle. Auch sie wollen leben und glücklich sein.

Ich spreche nicht zu dir, um zu verlangen, dass du deinen Ge- und Verbrauch von Tierprodukten einstellen sollst – vor allem nicht von jetzt auf gleich, denn die Umstellung muss langsam und bewusst vor sich gehen, damit dein Körper sich darauf einrichten kann und alle nötigen Nährstoffe in ausreichender Menge erhält. Ich weise dich aber auf die mit deiner Ernährung verbundenen universellen Prinzipien hin und welche Folgen sie für uns alle haben. Prinzipien sind die ersten Dinge: das, was zuallererst bedacht sein muss, bevor man handelt. Die richtige Ernährung für ein Wesen, das zwischen Richtig und Falsch unterscheiden kann, muss eine sein, die keinen Schaden bei anderen fühlenden Wesen initiiert. Das legt klar fest, was geht und was nicht geht. Wer dagegen seine Ernährung an anderen Erwägungen wie Geschmack, Gewohnheit, Tradition, Glaube oder Preis ausrichtet, pfeift auf Prinzipien, pfeift auf das Gewissen und pfeift auf Humanität. Was ein Mensch niemals essen sollte, kann er objektiv wissen, wenn er die Naturgesetze versteht und beachtet bzw. auf sein Gewissen hört, welche ihm beide sagen, er solle anderen Wesen kein Leid zufügen. Andere Erwägungen sind nachrangig. Willkür kannst du nur bezüglich solchen Nahrungsquellen walten lassen, die nicht leiden.

Du selbst musst entscheiden, was du nach Prüfung der hier präsentierten Tatsachen tun wirst. Ich kann nur hoffen, dass du das Richtige tust. Da ich seit 1991 fleischfrei lebe, habe ich einige Erfahrungen gesammelt, die ich auf Anfrage mit dir teilen kann, wenn du möchtest. Ein paar generelle Hinweise möchte ich schon jetzt geben.

Es ist wichtig, dass eine eventuelle Ernährungsumstellung geordnet vollzogen wird:

– innere Widerstände abbauen, sich motivieren

– Geschmack und Gewohnheiten anpassen

– schrittweises Ausschleichen von Tierprodukten über einen längeren Zeitraum

– Berücksichtigung der richtigen Zusammensetzung des Essens, Nahrungsergänzungsmittel

– auf den Körper hören

Falls du jedoch trotz der og. Vernunftgründe nicht in Betracht ziehst, deine Ernährung umzustellen, werde ich Fragen und Kritik nur nach dem Anschauen der Dokumentation Earthlings beantworten, zu der ich ein paar Fragen an dich habe:

  1. Welche Szene ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?
  2. Was hast du dabei empfunden?
  3. Versetz dich in die Lage des Tiers. Welche Rechtfertigung würdest du in seiner Lage für deine Misshandlung akzeptieren?

Und dann lass uns reden! Links zu der Doku findest du in den Shownotes unter meinem Video, im Blog zur Sendung und in der Literaturliste auf meiner Website.

Literatur:

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