Nachdem es kürzlich darum ging, ins Handeln zu kommen (e100), schauen wir heute zu, dass wir ins richtige Handeln kommen. Es sei vorweg geklärt, dass Handeln alles einschließt, das mit einem Verb bezeichnet wird, also auch nachdenken, sprechen, unterlassen, schlafen oder sterben. Und richtig ist hierbei jedes Handeln, das sich an der Wirklichkeit ausrichtet, aus einem wahrhaften Streben nach dem Guten entspringt und anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiiert (Trivium).
Die Frage von Richtig und Falsch hängt neutral betrachtet davon ab, ob ein Handeln geeignet ist, zu dem von mir gewünschten Ergebnis zu führen. Möchte ich meinen Besitz bewahren, muss ich ihn pflegen. Möchte ich ihn loswerden, muss ich ihn zerstören. Schaden anzurichten ist also nicht per se falsch.
Sozial betrachtet muss ich jenseits von meinem Willen auch den Willen aller anderen Beteiligten einbeziehen. Nur wenn alle Beteiligten einverstanden sind, kann eine Handlung als gut bezeichnet werden. Das von mir gewünschte Ergebnis muss also Einvernehmlichkeit mit beinhalten. Aus Richtig und Falsch wird sozial gesehen Gut und Böse, abhängig davon, ob Schaden initiiert wird und ob dies gegen den Willen eines oder von mehreren Betroffenen geschieht. Dies ist keine Frage von Mehrheiten.
Die Unterscheidung von Gut und Böse ist das Wissensfeld der Moralität und deren zentrale Frage. Ein anderes Wort für Moralität ist Philosophie, denn das ist die Liebe zur Weisheit, und Weisheit ist das rechte Handeln. Sämtliche Philosophie beschäftigt sich also mit der verstandesmäßigen Unterscheidung zwischen rechtem und schlechtem Handeln. Sie ergänzt die angeborene Fähigkeit, Gut und Böse aufgrund von empathischen Gefühlen zu erkennen, zum Gewissen. Gewissen ist also das Wissen, welche Handlung gut und daher wünschenswert ist, weil sie keinen Schaden gegen fühlende Wesen initiiert, und welche Handlung schlecht bzw. böse ist und daher unterlassen werden sollte, weil sie Schaden gegen fühlende Wesen initiiert. Richtig und Falsch, Gut und Böse, Recht und Unrecht lassen sich also objektiv erkennen. Moralität ist damit Teil der Wirklichkeit und das Gewissen ist der „Sinn“, mit dem sie wahrgenommen wird. Dass objektive Moral und Gewissen existieren, zeigt auch der Lügendetektor. Dieser registriert Zeichen körperlichen Unwohlseins bei unmoralischem Verhalten. Dass Psychopathen den Lügendetektortest jederzeit bestehen, also keine solchen Symptome aufweisen, indiziert wiederum die Abwesenheit von Gewissen bei ihnen.
Wenn das lebendige Wissen um das individuell erkennbare objektive Gute normativ festgeschrieben wird, wird es zum Dogma. Dogma ist das Wissen eines Menschen, das einem anderen Menschen will-kürlich, mit Autorität, also unter Androhung von Gewalt, als Glaubenssatz aufgezwungen wird. Seinen Glauben beweist man, indem man das dazugehörige Ritual gehorsam ausführt. Weil Dogma und juristisches Gesetz richtig und falsch autoritativ normieren, sind sie so betrachtet ihrer Natur nach identisch. Da sie beide der Willkür des Gesetzgebers unterliegen, handelt es sich bei Dogma und Gesetz um relative Moral.
Wir finden das universelle moralische Gesetz in den Lehren aller kulturellen Religionen kodifiziert, teils ausdrücklich, teils allegorisch (im übertragenen Sinn). Aus den schriftlich fixierten exoterischen Lehren lässt sich bei allegorischer Interpretation noch die ursprüngliche esoterische Weisheit ablesen. Das von mir benutzte jüdisch-christliche Vokabular ist gerade so gut geeignet, wie das buddhistische Bild von Nirvana und Schicksalsrad als Bildern für richtige und falsche Moralität. Die Lehren von Weisheitstraditionen wie der Kabbalistik, dem Tarot, dem Freimaurertum, dem Rosenkreuzertum, der Hermetik oder Thelema schöpfen aus altorientalischen Überlieferungen und vermitteln dasselbe Wissen in anderen Metaphern.
In Kemet, dem alten Ägypten, benutzte man beispielsweise das Wort Isfet für das Böse, Gewalt, Unrecht. Isfet ist ausnahmsweise keine Gottheit, sondern eine Kraft, personifiziert in Apophis, dem Schlangengott, welcher Auflösung, Finsternis und Chaos verkörpert. Das Gegenteil verkörperte aber die Göttin Maat: Wahrheit, Weltordnung und Gerechtigkeit – das Wahre, Schöne und Gute. Damit richtete sich falsches Handeln gegen die Götter als Schöpfer der Welt (s. Totenbuch). Wenn falsches Handeln aus vorsätzlichem oder nachlässigem Unwissen, also Ignoranz (nicht neszientem Nichtwissen) entstand, sahen die alten Ägypter es nicht als schlichten Fehler, sondern als boshafte Verirrung. Böses Tun, war ein Vergehen gegen Maat, gegen die Weltordnung. Ignoranz galt deswegen als böse.
Maat (Gerechtigkeit, Ordnung) wurde manchmal als Tochter, manchmal als Begleiterin des Re bezeichnet, des höchsten Gottes, der Sonne = Wahrheit. Sie ist die Gemahlin des Thot, Gott der Magie (Die Wissenschaft und die Kunst, das Bewusstsein in Übereinstimmung mit dem Willen zu verändern), der Weisheit und der Wissenschaft. Thot, wir erinnern uns, wurde von den griechischen Hermetikern als Sohn des Hermes Trismegistus bezeichnet. Aus dem hermetischen Gesetz der Konsequenz (Ursache und Wirkung) ergibt sich die Verpflichtung zum rechten Handeln, wie es in der Naturrechtslehre vermittelt wird. Es gibt hierfür eine simple Formel, die wir im Alltag anwenden können: Denke, sage und tue nur das, was richtig ist. Weigere dich beharrlich, zu denken, sagen oder tun, was falsch ist (Richard Wetherill). Es ist eine der Varianten der Goldenen Regel.
Um richtig handeln zu können, muss man mit Sicherheit wissen, was Richtig und was Falsch ist, denn wenn du nicht weißt, was richtig, also ein Recht ist, kannst du nicht wissen, was falsch ist. Richtig, also ein Recht, ist jede Handlung, die anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiiert. Jede andere Handlung ist falsch. Aus richtigen, also guten Handlungen (dh Ursachen) entstehen richtige, gute Wirkungen. Falsch ist jede Handlung, die anderen Wesen Schaden initiiert. Aus falschen, also schlechten Handlungen (Ursachen) entstehen falsche, schlechte Wirkungen.
Naturrecht und objektive Moral sind also keine Ideale, keine Ideen, sondern sind Teil der erfahrbaren Wirklichkeit. Weil Naturrecht für Menschen moralisch verbindlich ist, ist Rechtes Handeln nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Menschenrecht, denn durch falsches Handeln ziehen wir negative Konsequenzen auf uns, unabhängig davon, ob wir das wissen oder nicht, ob wir fremd- oder selbstbestimmt handeln, oder ob wir etwas gleichgültig oder mit guten Absichten tun. Dass die Welt dieser Tage die abscheulichsten Erfahrungen massenhaft produziert – Genozide, Ausbeutung, Unterdrückung, Zensur, Pädophilie, Zwangsimpfungen, Steuern, Umweltverschmutzung, Regierung, Überwachung, Terrorismus, Arbeitslager, Massentierhaltung usw. usw. usw. –, ist ein untrügliches Zeichen massenhaft unmoralischen Handelns, welches seinerseits ein Zeichen massenhafter Ignoranz bezüglich der objektiven Moralität ist. Und diese massenhafte Ignoranz besteht, weil die allermeisten Eltern darin versagen, ihre Kinder zu moralisch integeren Leuten zu erziehen. Sie lehren sie stattdessen, Autorität zu gehorchen und zu verehren, mit dem Strom zu schwimmen, Geld als Gottheit zu sehen, und sich bei Interessenskonflikten mit anderen selbst an erste Stelle zu setzen. Eltern machen ihre Kinder massenhaft zu dummen, gleichgültigen, trägen Feiglingen, die sich nur für den eigenen Vorteil interessieren und sich für ein bisschen mehr Komfort oder für das Ersparen schon geringster Unbequemlichkeit zu jeder Schandtat hergeben. Die Dummheit der allermeisten Menschen ist derart groß, dass sie selbst dann ihr Verhalten nicht ändern, wenn ihnen die Vernichtung droht.
Der Anteil der Leute, die ihre Moralität niemals, durch nichts und unter keinen Umständen korrumpieren lassen, liegt bei deutlich unter 1%. Was sie vereint, sind vier notwendige Elemente für rechtes Handeln: Wahrheit (bzw. Wissen), Liebe, Wille und Mut.
- das Wissen um den objektiven Unterschied zwischen Richtig und Falsch und den Zusammenhang mit dem karmischen Gesetz;
- die Liebe, herausfinden zu wollen, was wahr und gut ist;
- den Willen, Wahrheit in rechtes Handeln umzusetzen;
- und den Mut, Widerstände zu überwinden.
Das brauchst du, um richtig zu handeln, aber es fehlt den meisten Menschen.
Leute, die es verstanden haben, sind bereits kreativ und kommunikativ tätig oder sie werden es: Künstler, Medienschaffende, Aktivisten.
Die Tugend der Ehrlichkeit ist ein notwendiges Element rechten Handelns. Man kann nicht zu positiven Ergebnissen kommen, solange man nur vortäuscht, dem Naturrecht gemäß zu agieren. Ohne den aufrichtigen Wunsch, recht zu handeln, ohne das objektive Wissen um Richtig und Falsch und ohne den von Rechtschaffenheit befeuerten Mut verfällt man unweigerlich erneut in unmoralsiches Handeln.
Rechtes Handeln hat vier Feinde:
- Ignoranz tötet die Wahrheit
- Gleichgültigkeit tötet die Liebe
- Trägheit tötet den Willen
- und Feigheit tötet den Mut.
Wer nicht die Prinzipien von Wahrheit, Liebe, Wille und Mut kultiviert, kann nicht recht handeln und ist spirituell tot.
