Episode 115: Grade der Wahrheit

In dieser Sendung vergleiche ich Wahrheit mit einem Rad, an dessen Nabe sich die Wirklichkeit befindet. Sie besteht aus allem, was ist, sichtbar und unsichtbar. Die Hermetiker nennen alles-was-ist das ALL. Es ist der in sich selbst schaffende Schöpfergeist; sein Produkt, das Universum, ist also geistig. Das meiste davon entzieht sich unseren fünf Sinnen, mit denen wir wahrnehmen.

Wahrnehmung ist abhängig nicht nur von den Fähigkeiten der Sinne, sondern auch von der Fähigkeit des Verstandes, die Eindrücke verarbeiten zu können, sowie von der konkreten Situation, in der wir uns befinden. Die Natur des Ortes und die Kultur unserer Gemeinschaft prägen also die Wahrnehmung nachhaltig.

Wahrheit ist das, was wir in diesem Rahmen von der Wirklichkeit wahrnehmen können. Je weiter man sich von der Wirklichkeit entfernt, desto geringer die Wahrheit in Quantität und Qualität.

Die erste sich um die Wirklichkeit fügende Schicht ist die Erleuchtung, d.h. die unmittelbare Erkenntnis der Struktur und Natur der Wirklichkeit. Erleuchtung ist der innerste Teil der Esoterik.

Das Wort Esoterik bezeichnet nicht etwa unbekanntes Wissen und hat auch nichts mit Hokuspokus oder New Age zu tun. Esoterik ist die Wissenschaft, Lebenskunst und Lehre der Wahrheit über die Wirklichkeit, dh von Wille und Wirkung. Das beinhaltet das menschliche Sein im universellen Sein.

Die griechische Vorsilbe eso- weist nach innen. Das meint zum einen die Adressaten, einen inneren Kreis von Menschen, bei denen es sich um Eingeweihte (Initiierte) der Weisheitstraditionen und deren Schüler handelt. Zum anderen verweist dies auf das esoterische Verständnis, dass das Wissen über die Welt im Wissen über sich selbst zu finden ist.

Esoterisches Wissen ist triviales Wissen, das den meisten aufgrund Dummheit, Ignoranz, Apathie, Faulheit, Feigheit, Oberflächlichkeit, Träumerei und einem Mangel an gesteigerter Aufmerksamkeit versteckt ist.

Ein anderes Wort für (gelebte) Esoterik ist Weisheit.

Wer Weisheit lehrt, kennt die Harmonie der Wirklichkeit und passt sich ihr an. Die Wirklichkeit ist absolut. Und so verhält sich der Lehrer ebenso stabil. Im Bild von Tom Blue Wolf bleibt er solide wie ein Leuchtturm. Leuchttürme rennen nicht hektisch über die Insel, um Leute zu retten. Sie stehen ruhig im Sturm, bereit, die richtige Richtung zu weisen.

Wer esoterische Wahrheiten verstanden hat, kann die – geistige – Welt mit dem geistigen Mittel des Willens formen. Diese Fähigkeit nennt man Magie.

Magie ist die Fähigkeit, dem Willen entsprechend Wandel herbeizuführen. Orientiert man sich dabei am Willen des Schöpfers, an der Wirklichkeit, kann man Gutes tun. Man nennt das helle, lichte oder weiße Magie. Führt man hingegen den eigenen egoistischen Willen aus, gehört das in die dunkle oder schwarze Magie und richtet Schaden an.

Okkultismus ist das Bestreben, esoterische Wahrheit systematisch vor anderen zu verstecken oder zu verschleiern. Heller Okkultismus tut dies, um Schaden zu vermeiden, der aus ignoranter Benutzung entstehen kann; dunkler Okkultismus möchte das Wissensgefälle zwischen Initiierten und Uninitiierten zur Machtausübung nutzen.

Mystizismus – die intuitive Erkenntnis der Wahrheit – und Philosophie – das Nachdenken über Richtig und Falsch – sind beides Mittel der esoterischen Erkenntnis.

Esoterisches Wissen, das fest- und vorgeschrieben wird, wird zur exoterischen Lehre. Die griechische Vorsilbe exo- bedeutet: nach außen gerichtet. Exoterik trägt ihren Namen, da sie sich, erstens, an Äußerlichkeiten – dem geschriebenen Wort, dem Ritual, dem Schein – orientiert und da sie sich, zweitens, an die Uneingeweihten, die Laien, die Profanen richtet. Sie bildet die Grundlage der Religionen. Der Anhänger der Religion fragt nicht nach dem Warum oder bekommt auf seine Frage nur dogmatische Antworten. Er versteht nicht die tiefere Bedeutung der Gesetze und Dogmen, sondern glaubt lediglich an ihre Richtigkeit und führt sie als Unterwerfungsritual aus.

Jenseits der Exoterik erstreckt sich das weite Feld der Illusion. Getrennt sind die beiden Bereiche durch das Erkennen des Schöpfergeistes bzw. dessen Ablehnung. Da Geist die Schöpfungskraft ist und das Geschaffene geistiger Natur ist, wird man durch die Verneinung des (Hl.) Geistes auf die illusionäre Realität der fünf Sinne zurückgeworfen. Das Weltbild ist dinglich-materiell-mechanistisch geprägt und geht Hand in Hand mit Egozentrik. Hier müssen wir Ideologien ansiedeln, die behaupten, der Mensch könne die Welt mit materiellen Mitteln beliebig formen.

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