Episode 130: Studentenfutter – Fragen zum Naturrecht beantwortet 3

Hier wurden die am Ende jeder Sendung gestellten Fragen aus meiner Sicht beantwortet. Du kannst Fragen auch einreichen, z.B. indem Du einen Kommentar auf diesen Blogeintrag schreibst.

  1. Ich kann, weil ich will, was ich muss. (124)
    • oder: Wie kann ich schwere Aufgaben erfüllen, die vielleicht sogar schmerzhafte Opfer von mir fordern?
    • Zu erkennen, dass das Wahre, Schöne und Gute nur zu erreichen ist, indem man die nötigen Vorbedingungen erfüllt bzw. schafft, gibt die Kraft, das Nötige zu tun, ob es mir nun gefällt oder nicht.
    • Mit dem Verzicht auf das Eine erhält man Zugriff auf das Andere.
    • Verzichtwechsel: Sich entscheiden, auf Bequemlichkeit, kurzfristige Vorteile oder oberflächliches Vergnügen zu verzichten, um nicht auf das Gute verzichten zu müssen.
  2. Inwiefern ist die Angst vor dem Tod der Beginn der Sklaverei? (125)
    • Wer Angst vor dem Tod hat, weiß nicht mehr, dass er eigentlich unbegrenztes Bewusstsein ist, das nur eine begrenzte Erfahrung als Mensch macht. Er sperrt sich selbst in ein mentales Gefängnis. (Separation, Furcht, Ignoranz, Unfreiheit)
    • Wer Angst vor dem Tod hat, will ihn vermeiden.
    • Weil der Tod als endgültig angesehen wird, will der Ängstliche ihn mit allen Mitteln verhindern. (Kontrolle)
    • …und verkauft sich selbst, seine Freiheit, seine Verbundenheit, und verrät seine Nächsten. (Chaos: die Manifestation von Unrecht)
    • Dabei ist der körperliche Tod das Einzige, das nicht zu verhindern ist.
  3. Inwiefern dient jeder im Ausmaß seines Bewusstseins sich selbst, und im Ausmaß seines Unbewusstseins anderen? (126)
    • Alles, was mir nicht bewusst ist, hat die Möglichkeit, mein Denken, Fühlen und Handeln zu beeinflussen, ohne dass ich es bemerke. Ich handle nicht mehr vorsätzlich, sondern folge Automatismen. Ich stehe nicht mehr in meiner eigenen Kraft.
    • Andere Menschen benutzen diese innere Schwäche, um mich zu manipulieren. Sie spielen mit meinen Gefühlen und verdrehen mein Denken, um mich dazu zu bringen, ihren Wünschen zu folgen.
    • Bewusstwerdung ist daher Vorbedingung der Freiheit. Andere Wörter hierfür sind Schattenarbeit, Spiritualität, Mindfulness, Pfad usw.
  4. Ist Kokain anzubauen, zu verkaufen oder zu spritzen unmoralisch? (127)
    • Moralität ist die Frage nach Richtig (=Recht) und Falsch (=Unrecht).
    • Richtig, also ein Recht, ist jede Handlung, die anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiiert.
    • Kokainanbau: überhaupt kein Schaden für irgendwen.
    • Kokainverkauf: kein Schaden, sondern einvernehmlicher Handel.
    • Kokainkonsum: ggf. Selbstschädigung aus freiem Willen. Nicht klug, aber kein Schaden an anderen fühlenden Wesen.
    • Alles drei sind Rechte und werden zu Unrecht gesetzlich verboten.
    • Ähnlich gelagert: fahren ohne Führerschein. Impfverweigerung. Hundekacke auf dem Gehweg. Steuerhinterziehung.
  5. Klarheit entsteht nicht durch Zustimmung – sondern durch Abgrenzung. (128)
    • Das lat. Wort für abgrenzen lautet definire.
    • Man definiert einen Begriff, indem man das Eine vom Anderen abgrenzt. Je eindeutiger die Grenze beschrieben ist, desto klarer der Begriff, z.B. der klar sichtbare Zaun zwischen Mein und Dein.
    • Definitionen machen deutlich, was man mit einem Wort anspricht, dh mit welchen Begriffen man arbeitet: was gehört ‚definitiv‘ dazu, was ist ‚definitiv‘ draußen.
  6. Wenn Naturrecht universell und objektiv gilt – warum entsteht es historisch erst mit der Zivilisation, und nicht bereits in der Ur-Egalität der Jäger- und Sammlergesellschaften, die es offenbar ohne Theorie praktizierten? (129)
    • Der Fisch wird nicht über den Segen des Wassers nachdenken, solange er seine Abwesenheit nicht kennt.
    • Wo Naturrecht umfangreich verletzt wurde, hat sich tatsächlich eine Philosophie entwickelt, etwa bei den Irokesen, deren Einsichten die Aufklärer und die Gründerväter beeinflusst haben.
    • Wo man mit der Ordnung des Universums systematisch und umfassend gebrochen hat (Zivilisation), wurde die Einführung eines Ersatzrechts nötig, dessen Bewahrung zur Rechtfertigung von Herrschaft dient.

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