Die Geschichte der Zivilisation – Kunst, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Militär etc – ist die Geschichte über die Separation der Menschheit von der Natur, der individuellen Entfremdung vom Lebendigen in uns, von unserem wahren Selbst und vom Göttlichen – was alles letztlich ein und dasselbe ist.
Separation (lat.: separare) = Trennung, Absonderung, Ausschluss. In Deutschland im 18./19.Jh. die Aufteilung der Allmende an die bisherigen Nutzungsberechtigten. Hier: Das Weltbild der Getrenntheit
Die Wurzel und der Inbegriff der Separation ist das abgetrennte, isolierte Selbst in der modernen Wahrnehmung: das descartsche »Ich bin«, der »Homo oeconomicus« eines Adam Smith, der individuelle Phänotyp des darwinschen Überlebenskampfs, das durch Haut eingehüllte Ego nach Alan Watts. Es handelt sich um ein Selbst, das bedingt abhängig, aber fundamental abgetrennt ist vom anderen: von der Natur und von anderen Menschen. – Charles Eisenstein: Die Renaissance der Menschheit
- Abspaltung von Gott: Ich bin nicht mehr des Göttlichen teilhaftig, muss es besänftigen
- Mensch (Kultur) – Natur: Ich gehöre nicht hier hin, muss es in Schach halten
- Wir – Die: Die sind nicht wie wir, müssen sie zum Guten zwingen
- Die sog. Spaltung der Gesellschaft gehört hier auch hinein. Eigentlich eine Zersplitterung der Stämme, Sippen, Großfamilien und Kernfamilien in isolierte Individuen.
- Ich – Euch: Ich habe mit euch nichts zu tun, muss mir euch vom Leib halten.
- Teil – Ich
- Selbst das Individuum (lat.: das Unteilbare) wird weiter zerlegt in Körper und Psyche (statt Einheit von Leib und Seele), in Organe, Zellen und Atome.
Das Separierte ist im Außen verortet, ist anders, ist gefährlich, muss unter Kontrolle gehalten werden.
Die Separation ist illusorisch, hat aber Auswirkungen auf unser Sehen, Denken, Fühlen und Handeln.
Folgen der Separation:
→ Ausrichtung: Furcht statt Liebe
Das Andere behindert mich in meinen Bestrebungen, steht mir im Weg
Verbraucht das, was ich brauche
Spiegelbildlich weiß ich, dass ich dem Anderen im Weg stehe und seine Ressourcen verbrauche.
Wir stehen in Konflikt, Kampf droht
Misstrauen statt Vertrauen: Wir schotten uns ab, graben uns ein, gehen Zweckbündnisse ein statt echte Bindungen
→ Geistiger Zustand: Ignoranz statt Wissen
Dieses Denken schränkt die Wahrnehmung ein.
Die Wahrheit wird nicht mehr gesehen,
sondern alles durch die Konfliktbrille betrachtet.
→ Innerer Zustand: Machtlosigkeit statt Selbstbestimmtheit
Verwirrung über den eigenen Zustand, unsere Natur und Identität
Stehen nicht mehr in unserer eigenen Kraft
Wir haben uns selbst nicht mehr im Griff, trauen uns selbst nicht mehr
identifizieren uns mit äußeren Mächten
→ Gesellschaft: Kontrolle/Diktatur statt Freiheit
Der äußere Zustand ergibt sich aus dem inneren. Der Mangel an innerer Kontrolle wird im Außen kompensiert
Wir erkunden für unser Streben nicht mehr die Möglichkeiten, die unsere Fähigkeiten oder die Schöpfung uns bieten,
sondern versuchen, dem Anderen unseren Willen aufzuzwingen,
indem wir es manipulieren, drängen, bedrohen, physisch zwingen, zerstören.
Indem wir uns selbst als eigenständige Wesen sehen, versuchen wir natürlicherweise, das Nicht-Selbst zu unserem besten Vorteil zu manipulieren. Technologie stützt sich besonders auf … konzeptuelle Separation von der Umwelt, da sie die physikalische Welt als Objekt ihrer Manipulation und Kontrolle verwendet. – Charles Eisenstein: Die Renaissance der Menschheit
→ Resultat: Chaos/Konflikt/Unrecht statt Ordnung/Friede/Gerechtigkeit
Hier zeigt sich überdeutlich, dass das Weltbild der Separation eine satanische Verdrehung der Wirklichkeit darstellt.
Den eigenen Willen der Natur aufzuzwingen, bedeutet Konflikt mit der natürlichen Ordnung, schafft also Chaos.
Selbst wenn man bekommt was man will, zahlt man dafür einen hohen Preis in Form von Spätfolgen. Dinge werden tatsächlich knapp.
Den eigenen Willen einem Anderen aufzuzwingen bedeutet Konflikt, zerstört also Frieden.
Weil hierbei dem Anderen etwas genommen wird, das er nicht freiwillig hergibt, wird sein natürliches Recht verletzt.
Unsere künstliche Ordnung der vermeintlich separaten Dinge aufrecht zu erhalten, kostet enormen Aufwand. Wir verlieren Energie, d.h. wir haben eine hohe Entropie, und das führt zu Involution, dem Gegenteil von Evolution.
In vielerlei Hinsicht begreifen wir erst im Nachhinein, dass der Traumzustand selbst, der Zustand der egoischen Trennung, eine enorme Menge an Energie verschlingt. Erst wenn er sich auflöst, können wir die immense Energiemenge erkennen, die erforderlich ist, um die Wahrnehmung der Getrenntheit, mit der die meisten von uns leben, aufrechtzuerhalten. Solange wir uns darin befinden, haben wir kein Gefühl dafür, wie viel Energie für den Traum der Trennung aufgewendet wird. Vielleicht hast du bestimmte Momente des Leidens oder der Verzweiflung, und in diesen Momenten kannst du spüren, wie die Wahrnehmung der Getrenntheit deine Energie aufzehrt. Aber erst wenn sich das Bewusstsein spontan aus dem Traumzustand befreit hat, kommt es zu einer großen inneren Entspannung – vor allem, weil die Blockaden nicht mehr da sind. – Adyashanti: The End of Your World
→ Endergebnis: Vernichtung statt Schöpfung
Leben gedeiht nur in Harmonie mit der göttlichen Ordnung. Chaos, Konflikt und Unrecht gefährden das Lebendige und führen im Extrem zu dessen Auslöschung: vom vergifteten Insekt über den ermordeten Dissidenten bis zum Genozid, und potenziell weltweit.
Wo Schaden entsteht, läuft grundsätzlich etwas falsch. Daher lässt sich objektiv sagen, dass das Weltbild der Separation falsch ist, ob man nun tatsächlich in einer mörderischen Diktatur lebt oder nur in einer Demokratur.
Teile und herrsche ist ein altes Motto, denn Separation ist ein bequemes Mittel der Herrschenden, die Beherrschten unter Kontrolle zu behalten.
Aus dem gesellschaftlichen Mehl, das so erzeugt wurde, backen sie den generischen Weltbürger ohne Wurzeln, Zugehörigkeiten oder Bindungen, abhängig von Gütern und Dienstleistungen, für deren Beschaffung er sich dem Diktat des Systems fügen muss.
Ende der Separation
Täuschung bewirkt unausweichlich Leiden, und schließlich eine Krise, die nur durch einen Zusammenbruch, eine Preisgabe und eine Öffnung gegenüber einem Seinszustand jenseits der bisherigen Selbstbeschränkung aufgelöst werden kann. – Charles Eisenstein: Die Renaissance der Menschheit
Dem Problem der Separation ist nicht mit äußeren Mitteln allein abzuhelfen, weil die Ursache eine innere ist: das Weltbild, das im Gegensatz zur Wirklichkeit steht.
Wenn wir versuchen, auf der externen Ebene zu helfen, übersehen wir möglicherweise, dass die größte Hilfe, die wir anbieten können, unser eigenes Erwachen ist. Das bedeutet nicht, dass wir es versäumen, das zu tun, was wir auf der äußeren Ebene tun können – Hilfe zu leisten, die Hungrigen zu speisen, die Armen und Kranken zu versorgen. Das bedeutet nicht, dass irgendetwas davon vermieden wird oder nicht nützlich ist. Aber letztlich erkennen wir, dass unser größter Beitrag darin besteht, die illusorischen Separationen in uns selbst zu heilen. Das ist das größte Geschenk, das wir der Menschheit machen können; das ist es, was die Menschheit verändern wird. Die Menschheit wird sich nicht ändern, weil wir ein anderes Regierungssystem entwickeln. Sie wird sich nicht aufgrund von etwas verändern, das von außen aufgezwungen wird, aufgrund von hehren Ideen oder grandiosen Systemen. Wahre Veränderung kommt immer von innen. Sie entsteht durch Erwachen. Wir erkennen, dass die äußere Welt nichts anderes als ein Ausdruck des Inneren ist. – Adyashanti: The End of Your World
Hoffnung besteht tatsächlich im Leid, das die Haltung der Separation erzeugt. Der Druck, den dieses Leid erzeugt, ist das Triebmittel der Veränderung, das Licht, das Einsicht in die Wahrheit erlaubt, dass die Dinge nur metaphorisch getrennt sind, nicht wirklich.
Literatur:
- Die Renaissance der Menschheit / Charles Eisenstein. – Scorpio, 2011
- The End of Your World / Adyashanti. – Sounds True, 2008
