Episode 148: Studentenfutter – Fragen zum Naturrecht beantwortet 6

  1. Gibt es moralische Dilemmata? (142)
    • Moralität: das Nachdenken über Richtig und Falsch im Zusammenhang mit praktischem Handeln;
    • Dilemma: aus zwei sich widersprechenden Aussagen bestehendes Argument;
    • subjektiv gibt es mor.Dil., wegen falscher Annahmen, mangelnder Information bzw. moralischer Bildung. Dh ich kann momentan vor einem moralischen Dilemma stehen (nicht wissen, was in diesem Augenblick rechtes Handeln bedeutet).
    • objektiv gibt es keine moralischen Dilemmata, weil es keine Widersprüche im Universum gibt und alles eine Frage von Ursache und Wirkung bzw. der willentlichen Harmonisierung damit ist. Sich moralisch richtig zu verhalten heißt, die kausalen Zusammenhänge zu kennen und sich mit ihnen zu harmonisieren.
    • Beispiel: Dein Chef verlangt von dir, dass du Kunden schädigst, indem du richtige Informationen zurückhältst und falsche Angaben machst. Wenn du es nicht tust, verlierst du deine Arbeit und kannst deine Familie nicht ernähren.
      1. Das Initiieren von Schaden, z.B. durch Lüge, verletzt die Rechte Anderer, und das führt zu negativen Konsequenzen sowohl für die Beteiligten als auch die Welt als Ganzes. Im Wissen um diesen unausweichlichen kausalen Zusammenhang bleibt man besser bei der Wahrheit, auch wenn möglicherweise menschliche Sanktionen drohen.
      2. Du bist weder der Verursacher des Leids deiner Familie noch bist du ihr streng genommen Unterhalt schuldig. Jeder Mensch ist für sein eigenes Wohlergehen verantwortlich – du für deins, sie führ ihrs. Und dein Chef für die unmoralische Forderung und die Kündigung.
      3. Jobverlust ist nicht das Ende deiner Welt. Um deine familiäre Fürsorge aufrecht zu erhalten gibt es mehr Möglichkeiten als nur den bisherigen Arbeitsplatz. In diesem Fall handelt es sich also nicht mal um einen echten Verlust, sondern nur um eine vorübergehende Unannehmlichkeit. Aber das ist sekundär. In erster Linie sollte man richtig handeln, weil es das Richtige ist, unabhängig von persönlichen Vor- oder Nachteilen. Unannehmlichkeiten, die du hierfür auf dich nehmen musst – und sei es der eigene Tod – sind besser als Schaden zu initiieren.
      4. Unabhängig von der Schwere der persönlichen Betroffenheit besteht moralisch richtiges Verhalten stets darin, keinen Schaden zu initiieren, dh niemandes Freiheit oder Güter zu beeinträchtigen bzw. wegzunehmen oder damit zu drohen. Schaden besteht konkret in Täuschung, Diebstahl, Eindringen in die persönliche Sphäre, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung und Mord, sowie Zwang, d.h. die Drohung, Schaden anzurichten, um Entscheidungen zu beeinflussen.
  2. Verletzt das Löschen eines Kommentars unter einem Blog oder Video das natürliche Recht auf freie Rede? (143)
    • Das Recht auf freie Rede gehört zu den unendlich vielen Freiheiten, die man aufgrund der Tatsache genießt, dass Körper, Geist, Emotionen, Wille und Handlungen ausschließlich dem jeweiligen Individuum zu eigen sind. Weil mir mein Körper gehört, darf ich damit machen, was ich will, also alle Handlungen begehen, die die Freiheit des Nächsten, dasselbe zu tun, nicht einschränken. Das nennt man ein natürliches Recht. Ein Recht ist somit jede Handlung, die anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiiert. Die Freiheit Anderer einzuschränken ist stets ein Schaden! – und nur zulässig, wenn der Andere bereits begonnen hat, selbst Schaden anzurichten.
    • In Erweiterung unseres Eigentums an Körper und Handlungen haben wir aufgrund unserer Arbeit Besitz an externen Dingen wie zB persönlichen Gebrauchsgenständen, Land oder eben auch Internetkonten, die ausschließlich unserer eigenen Kontrolle unterliegen. Wir haben dort, was die Jurisprudenz das „Hausrecht“ nennt. Wir können bestimmten, was Nichtbesitzer (dh andere) dort tun können, oder ob sie überhaupt Zutritt erhalten.
    • Gibt es nun einen Widerspruch zwischen Hausrecht und freier Rede? Nein. Anders als in der Jurisprudenz gibt es im Naturrecht keine konkurrierenden Rechte oder Dilemmata. Die Moderation der eigenen Foren und Kommentarspalten macht Gebrauch vom Recht auf Besitz. Dieses beinhaltet die vollständige Kontrolle über einen Raum oder ein Medium. Du brauchst zB niemand in deine Wohnung einzulassen oder es dulden, dass er dort etwas sagt, das dir nicht gefällt. Die Zuwiderhandlung ist die Initiierung eines Schadens und berechtigt den Besitzer zur Notwehr.
    • Im öffentlichen Raum, der niemand gehört und über den daher niemand Kontrolle ausüben darf, gibt es kein Recht auf Moderation. Den Versuch der Einschränkung der Rede im öffentlichen Raum nennt man Zensur. Wo es keine Besitzrechte gibt, sollte freie Rede respektiert werden, auch und gerade dann, wenn sie den eigenen Vorstellungen widerspricht. (Eine Ausnahme ist der Aufruf zur Verletzung der Rechte Anderer, die zur Not mit Kraftanwendung unterbunden werden kann.)
    • Moderation, die den persönlichen, limitierten Raum reguliert, ist also nicht mit Zensur gleichzusetzen, die den öffentlichen, freien Raum reguliert. Moderation braucht keine Begründung. Sie unterliegt deiner Freiheit, über deinen Besitz willkürlich zu bestimmen. Aber es empfiehlt sich, sparsam davon Gebrauch zu machen.
    • Ich lösche in meinen Räumen nur destruktive Kommentare und solche, die ad hominem gerichtet sind. Ich blockiere User, die schwer oder wiederholt dagegen verstoßen. Sachliche Kritik ist hingegen ausdrücklich erwünscht.
  3. Wissen wiegt weniger als Furcht. (144)
    • Eine Erkenntnis, die beim Wandern, Campen und auf der Flucht von Bedeutung ist. Wissen hat kein Gewicht. Man führt sie mit sich wie einen USB-Stick voller PDF-Dateien, der eine tonnenschwere Bibliothek von Handbüchern ersetzt.
    • Wenn ich zB weiß, wie man Nahrung aus der Natur gewinnt, brauche ich sie nicht einzukaufen und auch keine Konserven mitzuschleppen. Dasselbe gilt für Werkzeug, Medizin, Schutzausrüstung usw. Wissen über die Natur macht den Rucksack leichter.
    • Unsere Häuser sind voll von Gegenständen, auf die wir angeblich nicht verzichten können, die vor ein-/zweihundert Jahren jedoch niemand gebraucht hätte, da jeder wusste, wie man die von ihnen geleisteten Tätigkeiten ausübt. Unser Mangel an Wissen und Fähigkeiten führt zur zu Abhängigkeit von bezahlter Arbeit und zur Belastung mit materiellen Gütern, vor deren Verlust wir uns fürchten.
    • Im übertragenen Sinn ist auch diese Furcht ein Gewicht, das du mit dir herumschleppst, und das du dir sparen kannst, wenn du deine Ignoranz überwindest. Die Axt im Haus erspart den Zimmermann, und Offenheit (Freiheit, Liebe) erspart Zwänge, die aus Furcht und Ignoranz entstehen. Das Leben wird leichter, wenn du aufhörst, dich vor Unwägbarkeiten zu fürchten und stattdessen dein Wissen bzw. deine Fähigkeiten erweiterst. Freiheit, also Macht über dich selbst, erhältst du nur durch Wissen und Fähigkeiten.
    • Nach Wissen zu streben ist ein Recht, und die Voraussetzung, Dinge richtig zu tun, also Erfolg im Leben zu haben. Weil Lüge und Zensur in dieses Recht eingreifen, handelt es sich um Rechtsverletzungen.
    • Denn du bist kein bedürftiges Mängelwesen, das einer feindlichen Umwelt ausgesetzt ist, sondern ein mit Daseinsmächtigkeit (Wissen, Intellekt, Kreativität und Tatkraft) ausgestatteter Mensch, der seine Daseinsbedingungen (ein Universum, das Leben hervorgebracht hat und unterstützt) meistern kann.
  4. Ist der Unterschied zwischen Neszienz und Ignoranz ethisch bedeutsam? (145)
    • Ethik ist das Nachdenken über richtiges und falsches Verhalten. Man macht Fehler bzw. richtet Schaden an, wenn man nicht weiß, was richtig und was falsch ist.
    • Neszienz (lat. ne-: nicht; scientia: Wissen) und Ignoranz (lat. i-: nicht; gnoscere: erkennen) sind Formen des Nichtwissens.
    • Neszienz ist Wissen, das man umständehalber noch nicht erworben hat bzw. nicht haben kann (zB eines Kindes). Führt es zu Schaden, ist es lediglich ein Fehler, aus dem man lernen kann.
    • Wird das Lernen jedoch vernachlässigt, verweigert oder das Gelernte sogar zurückgewiesen bzw. ignoriert, spricht man von Ignoranz, und die ist böse, weil nun vorsätzlich die Schädigung anderer durch das eigene falsche Verhalten in Kauf genommen wird.
    • Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ignoranz traumatischer Blindheit oder egozentrischen Regungen entspringt. Du kannst nichts für deine Neszienz oder die dir zugefügten Traumata, aber du bist sehr wohl dafür verantwortlich, nötiges Wissen zu erwerben, das verhindert, dass du bei anderen Schaden anrichtest.
  5. Darf ich jemand davon abhalten, sich vorsätzlich selbst zu schädigen? (146)
    • Nicht bei freiem Willen. Dort macht er/sie vom Recht auf sein Eigentum / Besitz Gebrauch. Alles, was ein Mensch tut, ohne einen anderen zu schädigen, ist ein Recht, mit dem er seinen Willen zur kreativen Gestaltung der Welt zum Ausdruck bringt.
    • Wenn er/sie damit einverstanden ist oder mich sogar darum bittet, darf ihm/ihr darüber hinaus helfen, seinen Besitz bzw. sein Eigentum kaputtzumachen, zB seine Gartenmauer abzureißen, Alkohol für ein Besäufnis zu beschaffen, seine Haut zu tätowieren, seine Haare zu schneiden usw.
    • Steht er/sie unter fremdem Einfluss bzw. ist er nicht voll entscheidungsfähig (Zwang, Unwissenheit, Täuschung, Rausch, Minderjährigkeit, seelische Notlage) sehe ich einen Eingriff begründet.
    • Die entscheidende Frage lautet: Kann ich überhaupt beurteilen, ob jemand eine freie oder fremdbestimmte Entscheidung getroffen hat? In vielen Fällen fehlen womöglich wichtige Informationen, was ein subjektives moralisches Dilemma verursacht.
  6. „Die Macht der Eingeweihten besteht nicht darin, etwas Besonderes zu wissen, sondern darin, dass die anderen es nicht wissen.“ (147)
    • Mit „Eingeweihten“ sind hier in erster Linie Initiierte in die esoterischen bzw. okkulten Traditionen gemeint, d.h. Menschen, die die natürlichen Gesetzmäßigkeiten kennen.
    • Aber dieser Satz ist auf jede Form wissender Überlegenheit anwendbar. Wer etwas (richtig) weiß, kann sich das Wissen zunutze machen. Wer es nicht weiß, ist aufgeschmissen. Er begeht Fehler.
    • Das macht ihn abhängig von Dienstleistungen der Eingeweihten bzw. können die Eingeweihten Vorteile abschöpfen, die den Unwissenden nicht zugänglich sind.
    • Dunkel-okkulte Eingeweihte können Unwissende den eigenen Zielen entsprechend täuschen und manipulieren. Das gegenwärtige Weltsystem ist eine solche Täuschungsoperation. Die Dunkel-Okkulten konnten die überwältigende Mehrheit der Menschen davon überzeugen, ihre Herrschaft (mittels Regierungen) als natürlich, notwendig, rechtens und gut zu akzeptieren – s. Ep.88. Sie konnten sie außerdem davon überzeugen, Selbsterhalt, Wohlgefühl und den eigenen Vorteil vor die Wahrheit und vor die Moral zu setzen. Sie werden zu faulen, apathischen, genusssüchtigen, wehleidigen, feigen Ignoranten erzogen, die ihre Erniedrigung nicht nur hinnehmen, sondern laut einfordern.
    • Die dunklen Eingeweihten enthalten den Menschen das Wissen vor, das sie (die Dunklen) selbst besitzen: Dass richtige Ergebnisse nur durch richtiges Handeln zu erzielen sind, dass richtiges Handeln Mut, Entschlossenheit und richtiges Denken erfordert, welches wiederum korrektes Wissen benötigt. Dass hierfür Freiheit erforderlich ist, während Fremdbestimmung das Gegenteil bewirkt. Und dass allein die Liebe zur Wahrheit als oberstes Handlungsprinzip taugt.

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