Wenn die natürlichen Gesetze universell gelten, wo hat dann der freie Wille seinen Platz? Gibt es den überhaupt? Oder haben die Spiri-Leute recht, die behaupten, wir könnten durch Konzentration jeden Wunsch erfüllen?
Es gibt zwei Wirkkräfte im Universum: die kosmischen Gesetze (Kausalität) und Wille.
Alles im Universum folgt Gesetzen. Lebende Wesen, die mit einem Willen ausgestattet sind, können ihren individuellen Willen einsetzen, um etwas zu tun, das nicht von den universellen Wirkkräften bestimmt wird. Ihre Möglichkeiten / Freiheiten sind durch die Gesetze begrenzt, und ebenso die Folgen ihres Handelns.
Wille ist eine kreative Kraft. Mit dem Wissen um die Gesetze können Lebewesen durch Kraftanwendung ihre Daseinsbedingungen formen. Verstehen sie die Gesetze gut genug, gelingt die Umgestaltung entsprechend den eigenen Vorstellungen. Sie erweitern ihren Handlungsspielraum / ihre Möglichkeiten / Freiheit. Handeln sie in Unwissen oder wider besseres Wissen, schädigen sie sich und andere und schränken dadurch ihren Handlungsspielraum / ihre Möglichkeiten / Freiheit wieder ein. Dies ist der objektive Unterschied zwischen Richtig und Falsch. Da falsches Verhalten Schaden anrichtet, ist es destruktiv. Folglich wird nur durch rechtes Handeln kreatives Schaffen möglich. Das System ist selbstregulierend. Falsches Verhalten rottet sich letztlich selbst aus. Richtiges Verhalten besteht besteht fort und breitet sich aus.
Weil Lebewesen am Leben bleiben wollen, trachten sie danach, die Gesetze möglichst umfassend zu verstehen und anzuwenden. Sie harmonisieren sich mit dem Universum / Kosmos (griech. Ordnung). Alles andere ist selbstzerstörerisch, dh dem Wesen des Lebens entgegen gerichtet. Das führt zum willentlichen Determinismus: dass man will, was man den Gesetzen entsprechend muss („Dein Wille geschehe“).
Moralischer Determinismus
Unsere Beobachtungen der Wirkweisen natürlicher Gesetze formulieren wir in Prinzipien. Jene Prinzipien, die sich auf die Gesetzmäßigkeiten im Zwischenmenschlichen beziehen, nennen wir Natur-Recht. Es heißt so, weil es ein naturgemäß rechtes Handeln beschreibt. In anderen Worten: Naturrecht ermöglicht es uns, auch in sozialer Hinsicht mit der universellen Ordnung zu harmonisieren. Falsches Sozialverhalten ist das Ergebnis falschen oder fehlenden naturrechtlichen Wissens.
Wie bezüglich allen anderen Prinzipien auch streben wir im Umgang mit anderen Menschen stets danach, das Richtige zu tun, denn das hilft uns bei der Entfaltung unseres Willens und verhindert Schaden.
Sobald du zB verstanden hast, dass ein Sturz von der Leiter deinen Leib schädigt, bist du der Wirkung von Schwerkraft bewusst und wirst genauestens darauf achten, Höhendifferenzen nur willentlich kontrolliert zu überwinden, um heil zu bleiben. Indem du so handelst, berücksichtigst du den Willen des Schöpfers, der sich in der Kausalität bezüglich Schwerkraft ausdrückt. Dieser lässt dir aber weiterhin die Freiheit, die Leiter hinauf- oder hinabzusteigen, Fallschirme und Flugmaschinen zu erfinden / benutzen oder trotzdem selbstschädigend zu handeln.
Gleichermaßen wirst du immer die Freiheit anderer fühlender Wesen respektieren, ihnen willentlich keinen Schaden zufügen oder ihnen sogar Gutes tun, sobald du verstanden hast, dass dies deinen Handlungsspielraum, deine Möglichkeiten und deine Freiheit mehrt. Moralisch richtiges Verhalten – rechtes Handeln – vergrößert sowohl deine Daseinsmächtigkeit als auch deine Daseinsbedingungen, da du ein freundliches, hilfsbereites, gemeinschaftliches Umfeld schaffst.
Voll verwirklichte Freiheit besteht nicht in totaler Regellosigkeit, sondern in der bedingungslosen Hinwendung zur göttlichen / natürlichen / universellen Ordnung.
Diese Ordnung wiederum negiert nicht deine Freiheit, sie mehrt sie. Sie stellt die Grundlage und den Rahmen zur Verfügung, in dem Leben existieren und gedeihen kann.
Falsche Gesetze & fremder Wille
Werden Wesen über die Natur der Gesetzmäßigkeiten getäuscht, bleiben sie unwissend oder glauben an falsche Gesetze.
Werden sie gezwungen, einem fremden Willen zu folgen, handeln sie wider besseres Wissen.
Die Einschränkung richtigen Handelns durch Täuschung oder Zwang ist von Übel, weil sie die Daseinsmächtigkeit des Wesens mindert. Statt seine Möglichkeiten, kreativ tätig sein zu können, zu mehren, begeht es Fehler, durch die es sich selbst und andere schädigt.
Weil die Harmonisierung mit der göttlichen Ordnung das Leben begünstigt, streben Menschen stets danach, das Richtige zu tun, denn das bedeutet, wir verbessern uns. Wenn man jedoch Recht haben mit recht handeln verwechselt, etablieren sich Lügen und Irrglauben. Man leugnet fehlerhaftes Denken und Verhalten. Dazu gehört auch die Auffassung, dass dieses Streben nach dem Richtigen, der „gute Wille“, bereits einen „guten Menschen“ ausmache. Es sind jedoch nicht die Dinge oder Menschen, die gut sind, sondern Handlungen, die im Einklang mit dem Willen aller betroffenen fühlenden Wesen ausgeführt werden.
