Episode 159: Geld und Geschenk

9 Die aberreich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick und in viele unvernünftige und schädliche Begierden, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken. 10 Denn eine Wurzel alles Bösen ist dieLiebe zumGelde, nach der einige getrachtet haben und von dem Glauben abgeirrt sind und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. 11 Du aber, Mensch Gottes, fliehe diese Dinge; strebe aber nach Gerechtigkeit, Gottesfurcht, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut! (1 Tim 6:9-11)

Das Zitat wird häufig verkürzt als „Geld ist die Wurzel allen Übels“ wiedergegeben, oder noch falscher als „Geld ist böse.“ Ich möchte dem widersprechen, indem ich gleichzeitig der Gegenhaltung, „Geld ist etwas Gutes“, widerspreche. Geld ist selbst weder gut noch böse, aber es hat geistige Ursachen und intrinsische Wirkweisen, die es zu bedenken gilt. Ein paar davon möchte ich bewusst machen.

Das Thema des Geldes verfolgt mich fast mein ganzes Leben lang. Ich habe meine Erkenntnisse darüber in lange Essays gefasst und mit anderen Leuten diskutiert. Sehr häufig begegne ich quasi-religiösen, ideologischen Auffassungen und bin das Thema langsam leid. Ich habe aus eigener Anschauung gelernt, wie Geld geistige Prozesse formt, und damit das Verhalten prägt. Im Ergebnis habe ich für mich selbst einen Modus gefunden, weitgehend ohne Geld auszukommen. Worüber ich heute spreche, ist nicht theoretische Vernünftelei sondern Erfahrung. Echte Philosophie also.

Wie die meisten Menschen sah ich Geld als einen Befähiger, Dinge zu tun bzw. zu bekommen. Darum wollte ich es haben. Was aber, wenn man kein Geld hat bzw. bekommen kann? Dann wird Geld zum großen Stolperstein, der allem im Weg steht. Und auch damit war ich – wiederum wie viele andere – dauernd konfrontiert. Und das machte mich unglücklich.

Die Macht des Faktischen hielt mich allerdings nur kurz gefangen. Ich begann mich früh zu wundern, ob es denn nicht ohne ginge. Und die Antwort lautete ganz klar: Ja. Also fragte ich mich, warum es bei all seinen Nachteilen immer noch als selbstverständlich hingenommen wird.

Geld als Kraft

In der Kommune Auroville, die auf Sri Aurobindos Lehren basiert, sehen manche es wie der indische Philosoph:

„Geld ist das sichtbare Zeichen einer universellen Kraft, und diese Kraft wirkt in ihrer Manifestation auf der Erde auf den vitalen und physischen Ebenen und ist für die Fülle des äußeren Lebens unverzichtbar. In ihrem Ursprung und ihrer wahren Wirkung gehört sie dem Göttlichen.“ (Sri Aurobindo: Die Mutter)

Wäre Geld eine universelle Kraft, käme es natürlicherweise vor und würde auch von anderen Lebewesen als dem Menschen benutzt. Doch nicht einmal alle Menschen tun das, sondern nur die Menschen unserer Kultur, der Zivilisation. Denn der Ursprung des Geldes ist eine Idee, und es entsteht durch einen Willensakt. Geld ist ganz und gar kultürlich, nicht natürlich, und damit auch nicht universell.

Seine Wirkung entfaltet es nicht von allein, sondern es wird gültig per Deklaration und Anerkennung seines Nennwertes. Geld, das vom potenziellen Empfänger nicht als Zahlungsmittel anerkannt wird, ist wertlos und entfaltet keine Wirkung.

Geld als Leistungsverrechnung

Die säkulare Betrachtungsweise sieht Geld ua als symbolische Darstellung menschlicher Leistung, dh den Aufwand an Kraft und Zeit, den wir landläufig als Arbeit bezeichnen. Für eine gewisse Leistung steht uns entsprechend Vereinbarung eine gewisse Gegenleistung zu, die nicht unmittelbar stattfindet, sondern in verbrieften Versprechungen besteht: dem Geld. Geld für Arbeit bedeutet, dass dir versprochen wird, dass du mit Geld das bekommst, was du als Gegenleistung für deine Leistung wünscht.

Auch das hat seine Nachteile. Versprechen können gebrochen werden, so dass die Leistung unvergolten bleibt. Es ist außerdem leicht erkennbar, dass diese Sichtweise mit dem Weltbild der Separation verknüpft ist. Geld für Arbeit kann dazu führen, dass Arbeit und Freizeit getrennte Sphären werden, und ist definitiv ein Ausdruck der Getrenntheit vom Mitmenschen. Aus dem Nächsten wird der unkontrollierte Andere, der unverstandene Fremde, der potenzielle Konkurrent um knappe Ressourcen. Es zeugt von einem Mangel an Vertrauen in die Lebensfreundlichkeit des Kosmos und einem negativen Menschenbild, das von Egoismus und Gleichgültigkeit spricht.

Das Gegenmodell ist die sogenannte Geschenkwirtschaft, die auf dem Vertrauen basiert, dass Energie dort hinfließt, wo sie gebraucht wird. Im Geschenk zu leben bedeutet, frei zu geben bzw. anzunehmen, ohne Ansprüche, Erwartungen oder Schuldgefühle. Dies zeugt von einem Vertrauen in die Welt generell und in die Freundschaft bzw den Menschen als generell hilfsbereites Wesen.

Das Geschenk geht einher mit Dankbarkeit: an die Quelle meines Wohlergehens zu denken, sei es Gott als Spender der kosmischen Ordnung, die Natur als Spenderin aller möglicher brauchbarer Stoffe, Lebewesen als Spender von Nahrung, die Mütter als Spenderinnen des Lebens oder den Nächsten als Helfer in der Not. Bin ich dankbar, so bin ich bereit, dem Mitmenschen seine Gabe zu vergelten, indem ich ihm Gutes tue, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt. Im Vergelten steckt das Wort Geld – ursprünglich eine Gabe, etwas von Wert. Das kann im eigentlichen Sinn nicht etwas sein, das frei verfügbar ist und der Empfänger sich jederzeit selbst beschaffen kann. Wenn ich jemand einen Strauß Blumen mitbringe oder einen selbstgebackenen Kuchen, dann besteht das Geschenk wesentlich in der Zeit und der Kraft, die ich aufgewendet habe, es für den Mitmenschen zu beschaffen.

Zeit und Kraft, und der Wille, diese einzusetzen, sind die eigentliche, universelle Währung, während Geld lediglich ein abstraktes Symbol des Dankes darstellt, das im Gegensatz zu Zeit, Kraft und Wille keine eigene Wirkung entfaltet.

Geschenkwirtschaft finden wir in Familien und unter Freunden völlig selbstverständlich. Wir nennen es nur nicht so. Ivan Illich nennt es Konvivialität: Zusammen bzw. miteinander leben, statt getrennt und gegen einander. Viele private Anbieter auf dem Internet operieren auf dieser Basis. Sie stellen zB ihre Sendungen kostenlos ein und erhalten Spenden von ihren Zuschauern. Hierbei gibt es zwar eine Erwartungshaltung, aber da kein Vertrag Geld-gegen-Ware geschlossen wird, befinden sie sich durchaus noch im Bereich der Geschenkwirtschaft. In Buddhismus und Hinduismus gibt es eine Geschenkkultur, die sich Dāna nennt. Hauptsächlich leben Mönche (freiwillig) und Bettler (notgedrungen) davon. Auch in unserem Kulturkreis war das erwartungsfreie Geben ein fester Teil des Alltags. Von der altgriechischen Kultur der Gastfreundschaft über das frühchristliche Verständnis von Agape, dem Teilen von Brot und Wein, und der Nächstenliebe, bis hin zu den vorindustriellen karitativen Einrichtungen (Armenhäuser, Spitäler, Waisenhäuser). Letztere wurden von Kirche, Staat und Wirtschaft als Geschäftsmodell erkannt, professionalisiert und von jeder Herzlichkeit separiert, was dazu führte, dass die Gesellschaft sich auf Institutionen und Versicherungen verlässt und gegenseitige Hilfe weitgehend aufgegeben hat. (Davon sprach ich in Ep.58: Sünde.) So wurde aus dem Benötigten der Bedarf, und aus dem bedingungslosen Geben von Hilfe das bedingte Zuteilen von Ressourcen.

Je mehr sich das Denken vom Einssein bzw. liebenden Miteinander abwendet, desto mehr greift der Geist der Separation um sich: Ich will, also werde ich bekommen. Vertrauen wird durch Verträge ersetzt. Aus Dankbarkeit – ich gebe dir etwas, weil du mir etwas gegeben hast – wird Handel: „Ich gebe dir etwas Bestimmtes, damit du mir etwas Bestimmtes gibst.“

Geld als Tauschmittel

Handel lebt vom Tauschmittel. Wenn du mir etwas geben kannst, das ich als wertvoll erachte, gebe ich dir etwas, das du als wertvoll erachtest. Andernfalls kommt der Handel nicht zustande. Der Tausch muss keinen unmittelbaren Nutzen für die Handelspartner haben. Ich könnte zB 100 Eier akzeptieren, obwohl ich keine Eier mag und so viel auch nicht konsumieren kann. Aber ich kann sie bei anderen Menschen für etwas sehr viel Vorteilhafteres eintauschen. Genau das geschieht auch mit dem Geld. Es ist im Gegensatz zu Waren und Dienstleistungen jedoch für nichts anderes brauchbar, als es weiterzuvertauschen und wird daher konsequenterweise auch benutzt, um Geldmittel gegen andere Geldmittel einzutauschen, etwa im Währungshandel oder bei Aktiengeschäften.

Die säkulare Betrachtungsweise sieht Geld dem entsprechend als ein Mittel zum Zweck. Es dient dem Handel als Schmiermittel. Als Mittel, das sagt bereits die Bezeichnung, steht es dazwischen, vordergründig zwischen dem dem Besitzer einer Ware und seinem Kunden. Bei tiefer gehender Betrachtung steht es zwischen einem Menschen und dem Gut, das er/sie haben möchte. Das heißt, der Mensch hat keinen direkten Zugriff auf das von ihm Benötigte oder Gewollte, sondern muss für die BeFRIEDigung seiner BeDÜRFnisse – also zur Gewährung des Friedens – den Mittler bemühen.

In einer Zeit, in der die meisten Menschen unfähig sind, auch nur die grundlegendsten Güter wie Nahrung, Kleidung und Obdach selbst herzustellen, geschweige denn Werkzeug oder die hochtechnologischen Produkte der Gegenwart, sind sie abhängig von einem komplexen wirtschaftlichen Gewebe extremer Spezialisierung, in dem immaterielle Leistungen – sog. Dienstleistungen – eine stetig wachsende Rolle spielen. Praktisch alle, speziell aber die Dienstleister, die keinerlei Güter herstellen, sind in diesem System zu bedürftigen Mängelwesen degradiert, abhängig nicht nur von den Produkten ihrer Mitmenschen, sondern vom Geld, mit dem diese wirtschaftliche Maschine betrieben wird.

Jeder, der einmal versucht hat, etwas ohne Bezahlung zu bewegen – von einem einfachen Gespräch des Pflegers mit seinem Patienten bis hin zu geldfreiem Leben – wird bestätigen können: Geld ist in unserer Gesellschaft nicht lediglich ein Schmiermittel, es ist zum Brennstoff geworden, ohne den sich zunehmend nichts mehr bewegt. Gleichzeitig konzentriert es sich in immer weniger Händen – Händen, die eng mit der Macht verstrickt sind. Das ist kein Problem, das die Banken verursacht hätten, der Zins oder das Schuldgeld. Auch der Kapitalismus ist nicht dafür verantwortlich. Dieselbe Mechanik kann man historisch in allen Gesellschaften beobachten, die Geld – gleich welcher Art – eingeführt haben: fortschreitende Spezialisierung, fortschreitende Entfremdung von den Lebensgrundlagen, fortschreitende Abhängigkeit, fortschreitende Bedürftigkeit, fortschreitende Wohlstandsschere, fortschreitende Machtkonzentration.

Diese Prozesse sind komplex mit einander verflochten. Ich behaupte nicht, dass Geld, oder Handel generell, schuld an allem sei. Ich ziele darauf ab, dass Geld genau wie Autorität aus einer bestimmten Geisteshaltung entsteht: dem Glauben, dass es einen echten Wert darstelle und dass Menschen es daher unbedingt bräuchten, dh ohne es schlechter dran wären oder überhaupt nicht existieren könnten. Geld ist der Götze einer Religion. Der Glaube an den Wert des Geldes ist die größte Weltreligion überhaupt.

Geld ist im eigentlichen Sinn keine Technologie, sondern eine Idee, ein Gedanke, und dieser äußert sich in den verwendeten Mitteln: Edelmetalle, Münzen, Jetons, Aktien, Schuldscheine, Geldscheine, Banknoten, Schecks, digitale Credits. Solange die Handelspartner daran glauben, dass diese Dinge Wert an sich hätten, sind sie bereit, etwas von echtem Wert – Arbeit, Nahrung, Ge- und Verbrauchsgegenstände – dafür herzugeben. Ohne den Glauben sind Geldmittel wertlos und häufig unbrauchbar. Echte Technologie besteht in Werkzeug (= Dingen, die wirken). Eine Zange oder eine Stanzmaschine entfalten stets Wirkung, wenn man sie anwendet. Geld beschafft dir das gewünschte Gut hingegen nur, wenn jemand an seinen Wert glaubt.

Wenn man Geld überhaupt als Technologie kategorisieren will, dann als Werkzeug zur Manipulation des Geistes, um zu bekommen, was man vom Anderen will.

Fallstricke des Geldgebrauchs

Auch die wenigen, die die Geschichte, die Entstehungsweise oder die Rolle des Geldes im Marktsystem kennen – einschließlich meiner selbst – können sich den dem Geld innewohnenden Mechanismen nicht ganz entziehen. Geldgebrauch kommt mit einer ganzen Reihe von „Nebenwirkungen“ daher. Den Verlust von Dankbarkeit und Nächstenliebe habe ich ja bereits erläutert.

Das Marktsystem, und insbesondere das Geld, hindert uns daran, die Schäden im Auge zu behalten oder überhaupt zu bemerken, die bei der Schaffung von Wohlstand der Erde zugefügt werden; es distanziert uns von den Arbeitsbedingungen derjenigen, die sammeln, anpflanzen, ernten, verarbeiten, herstellen, transportieren und verteilen; es führt dazu, dass wir einen Bauer oder einen Verkäufer als austauschbare Instanz wahrnehmen lernen statt als einen Menschen, der unserer Liebe würdig ist.

Mit Bargeld in der Tasche und Kredit auf dem Konto müssen wir nicht mehr viel wissen oder können. Wir verlieren Fähigkeiten, weil es es viel zu bequem ist, bei seiner spezialisierten Arbeit zu bleiben und einfach die Dinge zu kaufen, von denen man keine Ahnung hat, wie man sie sonst be-schaffen könnte, wie zum Beispiel Nahrung. Geld lässt uns vergessen, dass wir nicht Geld brauchen, sondern sauberes Wasser, Nahrung, Unterkunft, Medizin, Kleidung, inneres Wachstum und Verbundenheit.

Neben dem Rauchschleier, den es erzeugt, müssen wir einen weiteren inneren Mechanismus betrachten. Das ausgegebene Geld muss irgendwie ersetzt werden, und genau hier setzen Lohnsklaverei, Glücksspiel, Börsenspekulation, Diebstahl und Bestechung an. All jene Verhaltensweisen, die wir als schwer ausrottbare Probleme ansehen, existieren nicht lediglich deshalb, weil Milliarden von Menschen das Geld nicht richtig, also bewusster, verwenden; die gesamte Kette missbräuchlicher Handlungen – vom Raubbau an den Schätzen der Erde über die Ausbeutung jeder einzelnen geldabhängigen Person bis hin zur Entfremdung des Kunden von der Grundlage seines Daseins und dem gierigen Horten von Geld aus einer unterbewussten Angst vor Ressourcenknappheit – all das wird ausgelöst, weil wir Geld verwenden. Es geschieht systematisch aufgrund der inhärenten Mechanismen der Zivilisation und insbesondere des Geldes, ganz gleich, welche Absicht oder Vorstellung man damit verbindet. Anders ausgedrückt: Das Beschaffen und Ausgeben von Geld ist ein Zeichen der Separation und Entfremdung. Es führt zu struktureller Gewalt gegen alles und jeden, der mit dem System in Berührung kommt. Der Buddha aber definierte einen gewaltfreien Menschen so: Er schädigt nicht und veranlasst nicht zum Schädigen.

Drittens müssen wir über die Wünsche und Knappheit sprechen. Geld wird nicht nur zur Befriedigung von Wünschen ausgegeben, es hilft sie sogar zu erzeugen. Der Abschied von der üppigen Welt der lokalen „Produktion“ in einem tribalischen Umfeld (d. h. wo jeder weiß, wie er alles Notwendige aus der Natur beschaffen bzw. selbst herstellen kann) war die Ursünde, durch die wir die Notwendigkeit des Güterhandels schufen (gehandelt wurde schon in der sog. Steinzeit). Dies ist übrigens der ganze Sinn des Handels. Man kann keine Dinge verkaufen, die im Überfluss verfügbar sind oder die ein potenzieller Kunde leicht selbst herstellen kann. Händler wünschen sich sowohl Knappheit als auch Menschen, die in beruflicher Spezialisierung gefangen sind, denn das bedeutet, dass sie ihre Ware absetzen können, und je knapper diese Ware ist, desto höher ist der erzielte Preis. Daher wird der Eindruck von Knappheit vorsätzlich geschaffen, um Märkte zu etablieren, und zusammen mit ihr der Wunsch nach dem knappen Produkt, während Geld den Kunden einen bequemen Zugang ermöglicht. Diamanten sind hier das Paradebeispiel.

Geld hilft jenen, die Macht über Menschen anstreben, d. h. Kontrolle über deren Umgebung. Es entstand erst, nachdem sich unsere Geister voneinander und von der Natur getrennt hatten. Jemand, der im Rahmen seiner Mittel und Fähigkeiten lebt, eingebettet in Natur und Gemeinschaft, und von der Tyrannei des Egos frei ist, hat keinen Bedarf am globalen Handel. Er strebt nicht danach, seinen Einfluss durch die Eroberung von Märkten auszuweiten.

Schluss

Ich betrachte weder das Geschäftswesen noch das Geld als die Wurzel allen Übels, wie die Leute oft behaupten, wenn ich über die damit verbundenen Probleme spreche. Geld ist nur ein – wenn auch extrem schädliches – Phänomen innerhalb des größeren Rahmens der Zivilisation, die selbst das Ergebnis unserer Trennung von der Natur und voneinander ist. Geldprobleme zu lösen, indem man das Geldsystem umstrickt oder Geldgebrauch verbietet, bleibt fruchtlos. Ohne das Wesen dessen zu berücksichtigen, was es bedeutet, ein zivilisierter Mensch zu sein, ist jeder Versuch, die unerwünschten „Nebenwirkungen“ des Geldes loszuwerden, aussichtslos.

Wir wollen, dass unsere Wünsche erfüllt werden. In einer Gesellschaft, in der dies nur mit einem Bündel Scheine in der Hand möglich ist, wirst du alles tun, was nötig ist, um etwas davon in deinen Besitz zu bringen. Du arbeitest in einem nutzlosen Job, oder du beginnst, Schund zu verkaufen, oder du handelst kriminell, nur weil es Geld bringt, während dringend benötigte Dinge nicht erledigt werden, wenn sie nichts einbringen bzw die Finanzen knapp sind. Geld wird zu deinem souveränen Herrn, der entscheidet, was du tun kannst und was nicht.

Ein Feuer benutzen wir, um trockene Grasflächen abzubrennen, das Haus zu wärmen, Nahrung zu kochen oder Licht zu spenden. Wir lassen es nicht außer Kontrolle geraten oder bringen es mit allem in Berührung, das uns lieb ist. Wenn es seine Aufgabe erfüllt hat, löschen wir es. Ganz anders als das Geld, das jeden Aspekt unseres Daseins übernommen hat. Kaufen und verkaufen wir nicht sogar immaterielle Dinge wie Zeit, Wissen und Musik? Haben wir nicht schon so weit die Kontrolle verloren, dass dein Leben ohne Geld in Gefahr gerät und du in den Augen anderer weniger wert bist? Ist es nicht wahr, dass die Leute denken, ein geldloser Mensch habe sein Schicksal verdient, denn er müsste sich nur etwas mehr anstrengen? Die Entscheidung, Geld zu nutzen oder nicht ist keine Geschmacksfrage, sondern entscheidet heute über Leben und Tod.

Es muss uns bewusst werden, dass der Gedanke der Separation die Furcht, die Gier, das Kontrollstreben, den Verlust der Freiheit und der Ordnung zur Folge hat. Geld ist eine Idee, ein Begriff, der aus der Separation entspringt. Es funktioniert ganz im Sinne derselben und dient seiner Essenz gemäß der Zerstörung des Wahren, Schönen und Guten. Es ist nicht das Geld in physischer Form (Banknoten usw), das von Übel ist, sondern das separative Denken dahinter. Den Geldgebrauch zu minimieren reduziert natürlich Schaden, aber das Problem besteht so lange weiter, bis der Glaube an den Wert bzw. die Güte des Geldes aufgegeben wird und ersetzt wird durch die Erkenntnis, das das eigentlich Gute im Wohl des Nächsten besteht. Wer das erkannt hat, weiß, dass der Nutzen des Geldes für den Handel kein wahrer Grund sein kann, es zu verwenden, sondern nur eine utilitaristische Rechtfertigung.

Er kann berichten, dass sein/ihr Leben mühelos leuchtender, friedlicher und harmonischer wurde, wodurch mehr Raum für inneres Wachstum, künstlerische Betätigung, Gemeinschaftlichkeit und Hingabe an die eigenen Aktivitäten entstand. Es funktioniert fast von allein. Solche Erfahrungen zeigen den Weg in eine hellere Zukunft, ohne die Notwendigkeit, Geld auf einen Altar zu stellen oder seine negativen Auswirkungen okkulten Kräften anzulasten. Warum mit dem Finger auf äußere Kräfte zeigen? Ja, diese profitieren vom System. Sie haben es installiert. Aber indem wir Geld verwenden, kaufen wir seine inhärenten Konsequenzen zusammen mit der Ware.

Die meisten religiösen und spirituellen Traditionen fordern ursprünglich eine Reduzierung der Geldnutzung, halten Geld sogar auf Distanz. Sie sprechen davon, ein einfaches Leben zu führen. Sie tun dies aus einem Grund. Intuitiv oder bewusst besaßen die weisen Männer der Vergangenheit ein Wissen, über das wir besser noch einmal nachdenken sollten. Wir müssen uns die Fragen stellen, warum sie so dachten.

Ich akzeptiere vollständig, dass Menschen alle möglichen Ansichten über Geld haben. Meine Wahrheit ist nicht die einzige Wahrheit zu diesem Thema. Aber manche Ideen sind trügerisch. Sie erwecken den Eindruck, wir könnten unsere ach-so-bequeme Art der Lebensführung fortsetzen, ohne irgendwann die damit verbundene Rechnung bezahlen zu müssen. Das können wir nicht.

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