Episode 161: Gut und Böse

Das Böse ist

  • die Abkehr vom Guten;
  • Ignoranz = un-richtig → Un-Recht;
  • der reine Nutzen (iSv Utilitarismus, Ausschlachten der Kreativität anderer);
  • das vorsätzliche oder nachlässige (=egoistische) Schädigen des Nächsten (Unmoral);
  • Befehlen zu folgen;
  • die Zerstörung der Freiheit;
  • die Begrenzung des Wertes von Menschen.

Das Gute ist

  • die Abkehr vom Bösen;
  • wachsendes Bewusstsein; „wer erkennt, ist gut und fromm und schon göttlich.“ (Corp.Herm.X,9)
  • „das Schöpferische“ (Corp.Herm.X,3: Die Ursache alles Guten ist der Schöpfer);
  • das begünstigende Handeln in Harmonie mit dem Willen des Nächsten;
  • dem Gewissen zu folgen;
  • das Erweitern von Freiräumen;
  • der unendliche Wert eines Menschen.

Wie hängt all das zusammen? Über die Ursachen und die Wirkungen. Das Böse und das Gute sind Handlungen: solche die falsch bzw. solche die richtig sind. Falsch und richtig nennen wir sie, weil sie Anderen Schaden verursachen bzw. deren Dasein begünstigen. Handlungen setzen Ursachen für Wirkungen.

Die Ursache des Bösen bzw. Guten sind in der Grundeinstellung zu finden: einer furchtsamen bzw einer liebenden. Dieser wiederum liegt ein Weltbild zugrunde, das separatistische bzw. das vereinte.

Welche Ursachen wir setzen, ist unserem freien Willen überlassen. Die Wirkungen ergeben sich durch die Kausalität.

Die Wirkung besteht je nach Wahl der Ursache in einer Verschlechterung der Daseinsfähigkeit und der Daseinsbedingungen bzw. in deren Verbesserung.

Die Wahl der Ursache ist ein Willensakt, der jedoch häufig unüberlegt erfolgt, inneren Impulsen folgend. Diese werden ausgelöst durch die jeweilige Grundhaltung. Eine ängstliche Haltung führt dann zu unrichtigen Handlungen, im Extremfall dem Bösen, eine liebende Haltung zu rechtem Handeln, dem Guten.

Mensch im Kosmos

Auszüge aus dem Corpus Hermeticum

„Von einem Anfang ist alles abhängig. Der Anfang aber (stammt) aus dem Einen und Einzigen.“ (Corp.Herm.X,14)

„Gott enthält den Kosmos und der Kosmos den Menschen.“ (Corp.Herm.X,14)

„Das geistig Feststehende löst die Bewegung des Stofflichen … aus“ (Corp.Herm.X,11)

Die Ur-Sache aller Kausalitäten ist der Schöpfer der universellen Ordnung (Kosmos). Der Kosmos „ist aber nicht gut. Er ist stofflich und leidensfähig.“ (Corp.Herm.X,9)

„Allein dieses ist dem Menschen heilbringend: die Erkenntnis Gottes.“ (Corp.Herm.X,15)

„Das Göttliche erkennen und keinem Menschen Unrecht tun!“ (Corp.Herm.X,19)

Weshalb? Weil nur die Erkenntnis der göttlichen Ordnung uns hilft, wie man auch im NT lesen kann: Die Kenntnis der Wahrheit macht frei (Joh 8,32).

„Das Übel der Seele ist Erkenntnislosigkeit. Die Seele, die nichts Seiendes erkennt und auch nicht dessen Natur, auch nicht das Gute, sondern blind ist, taucht in körperliche Leiden. Die Unglückliche, die sich nicht selbst erkennt, dient widerwärtigen und scheußlichen Körpern und trägt den Körper wie eine Last; sie herrscht nicht [über sich selbst], sondern wird beherrscht.“ (Corp.Herm.X,8)

„die Seele ohne Geist kann weder etwas sagen noch etwas tun… Der Geist … kann eine träge Seele nicht ertragen, sondern er verlässt eine solche am Körper hängende und vom Körper niedergewürgte Seele. Eine solche Seele … hat [daher] keinen Geist. Deshalb darf man einen solchen nicht ‚Mensch‘ nennen. Denn der Mensch ist ein göttliches Lebewesen und nicht den anderen auf der Erde wohnenden Lebewesen vergleichbar, sondern mit denen im Himmel oben, die man ‚Götter‘ nennt.“ (Corp.Herm.X,24)

„Ohne die Erde zu verlassen, kommt [der Mensch] nach oben – solch eine Größe hat seine Ausdehnung [weil er lernt]. Deswegen muss man wagen zu sagen, dass der irdische Mensch ein sterblicher Gott, der himmlische Gott aber ein unsterblicher Mensch sei. Eben deshalb ist durch die beiden, durch Kosmos und Mensch, alles [=Gesetz & Wille als universelle Triebkräfte]. Aber alles ist unter dem Einen.“ (Corp.Herm.X,25)

Literatur:

  • Das Corpus Hermeticum einschließlich der Fragmente des Stobaeus / a.d.Griech.v. Karl-Gottfried Eckart

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