Zum Thema Freiheit: Manche Menschen sprühen sich mit Parfüm auf, und Umstehende sind gezwungen es zu riechen. Zum Glück riecht es oft gut und verführerisch, aber ich finde genau das spannend. Hast du Ideen und Gedanken über das Thema Parfüm aus spiritueller und esoterischer Sicht. Mir ist aufgefallen in den letzten Jahren ist das Thema Parfüm so groß geworden wie nie. Vor 30-40 Jahren war es noch was besonderes. Heutzutage ist es schon ein Alltagsprodukt, und ein ganz besonderes, denn es geht auf den Geruchssinn. Und das verzerrt somit die Wahrnehmung. Und auch auf die Haut, und auf der Haut ist es bestimmt genau so ungesund für Körper und Geist wie für die Seele oder? – eine Zuschauerfrage
Naturrecht
Es gibt drei Faustformeln für die Bestimmung objektiven Rechts bzw. Unrechts:
- Wird einem Anderen gegen seinen Willen Schaden zugefügt;
- Wird einem Anderen etwas genommen, das er nicht freiwillig hergegeben hat;
- Wird ein Anderer nicht in Ruhe gelassen.
Gerüche sind per se kein Schaden, und es gibt für „Gestank“ auch keinen objektiven Maßstab. Ob ein Geruch, Geräusch oder Anblick als störend oder angenehm empfunden wird, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch und hat sich im Lauf der Jahrhunderte auch tendenziell stark verändert. Du bist nicht dafür verantwortlich, wie Andere Dich wahrnehmen, und schon gar nicht dafür, wie sie ihre Wahrnehmung bewerten. Das ist ihr eigenes Problem.
„Gezwungen“ ist niemand, den „Gestank“ wahrzunehmen, wenn er sich freiwillig in einen Raum begibt, in dem Du ein Recht hast zu sein, zB den Marktplatz. Kontrollieren dürfen sie Dein Verhalten nur auf ihrem eigenen Besitz oder wenn Du Dich ihnen aufdrängst.
Grundsätzlich lässt sich aus naturrechtlicher Sicht sagen: Alles, was anderen fühlenden Wesen keinen Schaden initiiert, ist ein Recht. Du bist also frei, mit Deinem Körper anzustellen, was Du willst, auch wenn es Dir selbst schadet. Er ist Dein Eigentum, dh Du bestimmst exklusiv über seine Nutzung. Hierin brauchst Du Dich niemand zu beugen.
Bei Dir zuhause oder in einem öffentlichen Bereich, wo niemand sonst Besitzrechte hat, sollte man Dich nicht hindern, Dein Ding zu machen, auch wenn’s zB „stinkt“. Die Leute brauchen ihrerseits nur mit Dir zu interagieren, wenn sie wollen. Du musst Dich im Konfliktfall entscheiden, ob Dir Selbstverwirklichung oder Kontakte in dem Moment wichtiger sind. Und die Anderen müssen das ebenfalls.
Wahrheit
Man könnte sagen, dass Parfüm die Wahrnehmung verändert. Es riecht nicht mehr so, wie es das ohne die Anwesenheit des Duftmittels täte. Das trifft aber auch auf vieles andere zu, das wir tun. Wenn ich spreche oder Musik höre, nehme ich das Vogelzwitschern nicht mehr wahr. Wenn ich ein Nickerchen mache, sehe ich meine Umgebung nicht mehr. Wenn ich Essen koche, riecht die Welt anders für mich. Wenn ich faste, verändert sich meine Wahrnehmung bezüglich Nahrung. Wenn ich Kleidung trage, spüre ich den Wind, die Temperatur und den Boden unter meinen Füßen nicht mehr – und ich werde von anderen nicht mehr in meinem natürlichen Zustand wahrgenommen. Wenn ich mehr Informationen über eine Sache habe, nehme ich sie ebenfalls anders wahr, als wenn ich mit frischen Augen an sie herangehe.
An keiner dieser Handlungen ist etwas Falsches. Sie schränken unsere Wahrnehmung ein bzw. verändern sie, aber das ist unvermeidlich. Sich dieser Tatsache bewusst zu sein lindert den Effekt. Ich sehe es jedoch als problematisch an, dass die zivilisierte Lebensweise unsere Wahrnehmung umfassend und fortwährend verändert, indem sie vollständig künstliche Umgebungen erzeugt: Hochgeschwindigkeitsverkehr, Asphaltwüsten, Beleuchtung, Bildschirme, Verkehrslärm, Konservenmusik, Kunststoffausdünstungen, Industrieabgase, verarbeitete Nahrung, Geschmacksverstärker, Plastikkleidung, Heizungen, die Nachrichten und Werbung, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dem ist teilweise schwer auszuweichen, während es gleichzeitig unser Weltbild mit formt. Viele wirklichkeitsfremde und lebensfeindliche Entscheidungen rühren aus dem Verkennen der wahren Wirkweisen und Tatsachen her.
Spiritualität
Ich denke, es stellt sich aus spiritueller Sicht die Frage, ob ich etwas tue, damit ich nicht wahrnehme bzw. die Wahrnehmung zurechtbiege (= negatives Motiv), oder ob ich so meinen Willen zur Gestaltung der Welt ausdrücke (= positives Motiv).
Wenn ich mich frisiere, kleide, parfümiere, möchte ich bestimmte Aspekte der Wirklichkeit ausblenden und in einer Scheinwelt leben? Möchte ich Anderen auf eine gewisse Weise er-scheinen, statt mein wahres Sein und Selbst zu zeigen? Solche Haltungen verleugnen das Seiende, versuchen es durch ein Trugbild zu ersetzen und beruhen auf Furcht.
Oder habe ich Freude an der Gestaltung meines Körpers durch Schmuck, Kleidung, Tätowierungen, Piercings, Implantate, Frisuren, Make-up, Duftstoffe, ohne meinen Naturzustand abzulehnen? Dann handelt es sich um einen liebevollen Umgang mit sich selbst und den sinnlichen Eindrücken anderer Menschen. Die Veränderungen können buchstäblich in-spirierend sein.
Aus einer höheren Perspektive sind alle Sinneseindrücke jedoch nur Erfahrungen, stets wert, gemacht zu werden.
Gesundheit
Gesundheit ist ein Begriff, mit dem ich immer weniger anfangen kann. Einen interessanten Einblick in die Problematik des Begriffs bietet der Eintrag im Brockhaus (1986):
Gesundheit [ist] nach einer Definition der Weltgesundheitsorganisation von 1948 der Zustand vollkommenen phys., psych. und sozialen Wohlbefindens, nicht lediglich die Abwesenheit von Krankheit. Nach überwiegender Auffassung gilt diese Begriffsbestimmung heute als zu weitgreifend; sie erwecke unerfüllbare Ansprüche und erkläre eine große Anzahl von Menschen mit altersbedingten chronisch-degenerativen Leiden als krank. Deshalb wird unter Gesundheit überwiegend das Freisein von (vorübergehenden) Krankheiten verstanden, welche die phys. Funktionen (Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit) und psych. Befindlichkeit beeinträchtigen; Voraussetzung der Gesundheit ist dementsprechend, dass die Körper- und Organfunktionen sowie die psych. und geistigen Reaktionen nicht wesentlich von der Durchschnittsnorm des betreffenden Lebensalters abweichen. Auch das Bundessozial-Ges. entscheidet nach diesem funktionalen Aspekt und erkennt darüber hinaus anatom., histolog. oder organolog. Normabweichungen und ihre Entsprechungen auf dem Gebiet der Psychiatrie als Kriterien der Gesundheit an. Die Grenzen jeder allgemeinen Definition liegen allerdings darin, dass Gesundheit in relativer Unabhängigkeit vom medizin. Befund als subjektives Lebensgefühl des einzelnen Menschen wechselnden Einflüssen und unterschiedl. Wertvorstellungen unterworfen ist.
Ob Gesundheit ein subjektiver oder objektiver Begriff ist und was man darunter versammelt, ist nicht klar. Was also meint man, wenn man fragt, ob Parfüms „ungesund für Körper und Geist und Seele“ sind?
Jede Handlung erzeugt Wirkungen. Ob diese Wirkungen gut oder schlecht für uns sind, hängt davon ab, was wir erreichen wollen. Nehmen wir Nebenwirkungen bewusst in kauf, ist streng genommen kein Schaden entstanden. Man ist zufrieden mit dem Erreichten und im Gleichgewicht.
